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Judaica · 1937-11-01 · 25-26 (November 1937) · p. Seite 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
4 (1937)
Issue
25-26 (November 1937)
Date
1937-11-01
Page
Seite 24 (sequence 26)
Language
German
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Regierungskommissär Jekelfalussy hieher gesendet worden. Es haben sich schon in der ganzen Umgebung Unruhen fühlbar gemacht,. jedoch durch das energische Einschreiten des Regierungskommissärs wurde auch im ganzen Komitat die Ruhe hergestellt. Der Regierungskommissär hat nebst unserem Militär noch Kavallerie bekommen und der Sache ein Ende gemacht.1) Ich und meine Frau haben uns auf Zureden der Kinder entschlossen, über die Schrekkenszeit nach Wien zu fahren und sind auch über die zweiten Tage Sukkot in Wien geblieben. Ich bemerke noch, dass mein Schwiegersohn Popper die Absicht hatte im Oktober nach Pressiburg zu übersiedeln und durch diese Vorgänge vorzog, nach Wien zu ziehen .. . Das Jahr 1886 hat schlecht begonnen. Meine teuere Frau, mit der ich seit May 1837, das sind 48 Jahre glücklich verheiratet war* ist am 19. Januar gestorben. Wir haben ein sehr glückliches Leben zusammen geführt und trotzdem wir mit den Kindern viel Leid und Freud mitgemacht haben, haben wir dennoch die Zeit zufrieden und glücklich zusammen gelebt. Im Jahr 1887 ist meine Enkelin Lotti Engel erkrankt und lungenleidend geworden, auch die Mutter der Pepi ist erkrankt, sie hat ein Leiden im Rückenmark bekommen .... sie haben sich entschlossen, nach Schattmannsdorf zu gehen, ich besuchte sie nach kurzer Zeit mit meiner Tochter Johanna, fand beide Patienten nicht besser, sondern schlechter. Engel nahm beide Patienten mit sich nach Wien, es war höchste Zeit. Am 3. Oktober ist die arme Lotti im zwanzigsten Jahre gestorben. Im September 1887 habe ich mich entschlossen, meine Wirtschaft aufzugeben und bin zu meiner Tochter Johanna gezogen, wo ich ein separates Zimmer hatte. Das Jahr 1888 hat wieder traurig begonnen, was für mich ein sehr harter Schlag war, dass ich noch in meinen alten Tagen so was erleben musste. (Ende.) Der Grabstein Max Kestlers ist einfach aber würdig. Er ruht zwischen Rudolf Iritzer und Gabriel Duschinsky. Seine Wohltätigkeit wird gepriesen, er war geehrt und angesehen, Stadtrat u. Gemeindevorsteher, besonders wird er als Vorsteher des Vereines Poel Zedek her vor geh oben. Das Tagebuch Max Kestlers klingt tragisch aus. Wir haben viele Stellen des Tagebuches hinweg lassen müssen, wo sich seine Herzensgüte in aohtungsgebietender Weise offenbart hat, wie er seine Söhne wie der Pelikan mit seinem Herzblute gestärkt hat. Wie im Buche Hiob trifft eine böse Post nach der anderen von dem finanziellen Missgeschick seiner Kinder ein, er opfert alles, um sie aufrecht zu erhalten. In den letzten Tagen seines Lebens sieht er sein Geschäft zusammenbrechen. Br äussert sich sehr bitter über seinen Vorstandskollegen J. W., dier seinen Sohn hart bedrängt bei einem Ausgleichsverfahren. Dieses Buch Hiob endet nicht in Wohlgefallen. Erst seinen Kindern und Kindeskindern ersetzt die Vorsehung wieder das verlorene. Dieses Tagebuch ist eine biblische Parabel von einem Guten, Gerechten, *) Es sind damals noch viele Familien für einige Tage von Pressburg weg* gegangen. 24

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