Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 25-26 (November 1937)
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Tagebuch des Max Kestlers (Schluss) Noch im selben Jahre kündigte Kary (Wien) dem Moritz die Kompagnie, er zahlte Moritz laut Inventur 55.000 fl. aus dem Geschäfte heraus. Moritz hatte 6 Monate gar kein Geschäft. Nach sechs Monaten kaufte er die Konkursmasse von Adolf Fürst, nahm ein Lokal auf und legte sich Seidenwaren zu. Er konnte das Geschäft 1V2 Jahre führen. Im Jahre 1880 wurde ich bei der Kultusgemeinde in Pressburg als dritter Vorstand gewählt .... Am 7. Mai, an einem Freitag abends um 6 Uhr1) hat sich ein Gewitter entladen, es fiel ein Hagel, wovon die Schlossen 10—15 Deka schwer waren, wie es die ältesten Leute nicht erlebt haben. Alle Scheiben und Dächer wurden beschädigt, nur Kupfer- und Zinkdächer blieben verschont, die Frucht, Wein- und Obstgärten wurden ruiniert, der Schaden liess sich nicht berechnen, auch konnte man nicht genug Ziegel und anderes Material für die beschädigten Dächer herschaffen. Es waren noch im September Spuren des Hagels zu sehen. Im selben Jahre im Oktober hat sich hier ein antisemitischer Verein gegründet, der sich es zur Aufgabe machte, bei Juden nicht zu kaufen und die Juden zu verdrängen. Es war dies bald fühlbar. Einige Wiener Journale haben dies veröffentlicht und auch einige Namen erwähnt, wie Palugyay etc. Diese Firmen haben sich jedoch in der Zeitung entschuldigt und erklärt, dass dem nicht so ist, wodurch sich die Sache gebessert hat und langsam gänzlich aufgehört hat. (Der alte Palugyay, der jüdischen Armen viel Wohltaten erwiesen hat, war besonders darüber aufgebracht und hat den Oberrabbiner (Schebet Sofer s. A.) ihn zu rehabilitieren. Der Oberrabbiner hat eine Predigt dazu benützt, um Palugyay Genugtuung zu geben. (Red). Anfangs August besuchte ich und meine Frau unseren Sohn Heinrich in Saaz, wo er Stationschef war .... Wir haben da ein paar Tage recht angenehm verbracht. Am 5. November ist meinem Sohn Adolf ein Sohn mit 121/2 Jahren an Lungenentzündung gestorben. Im Jahre 1880 habe ich mir am Jomkippur einen heftigen Darmkatarrh zugezogen und den ganzen Winter daran gelitten. Ich habe fünf der berühmtesten Doktoren zu Rate gezogen, jedoch konnte mich keiner von diesem Uebel befreien, auch der Homöo- Pat Dr. Koch kurierte mich nur auf einige Tage. Ich wollte 1881 zu einem Wiener Professor fahren, als man mir den hiesigen Hydropathen Dr. Frohmann empfohlen hat, in 8 Tagen fühlte ich eine Besserung, in 14 Tagen war ich kuriert. Im Jahre 1882 am Purim habe ich meinen 70. Geburtstag gefeiert, es waren zu dieser Feier ausser meinen hiesigen Kindern und Enkeln auch meine Tochter Pepi mit ihrem Sohne Emil, mein Sohn *) Am Vorabende des Sowuot-Feiertages. 22