Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 25-26 (November 1937)
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Vierzig Jahre zionistische Organisation ii. Die beiden ersten zionistischen Landeskongresse in Pressburg (22. März 1903 und 13. März 1904) besitzen nicht allein für den slovakisohen und ungarischen Zionismus die Bedeutung ihrer Schöpfungsgeschichte, sondern beanspruchen erhöhtes Interesse durch den Umstand, dass sie beide unter der Aegide Theodor Herzls selbst einberufen worden sind. Der Pressburger Zionismus stand dazumal zu Herzl in dem Verhältniss von geradezu militärischer Disziplin. Man hat sich da am besten in seinen Geist eingelebt. Mehr als anderswo galt der strengste Konstitutionalismus als oberstes Gesetz und mehr als anderswo wurde hier betont, dass die peinlichste Korrektheit die notwendigste Gewähr für die Stärke und die Durchschlagskraft der Bewegung sei. Da man dazumal sehr bibelfest war und jede Lehre gerne mit einem Bibelvers bekräftigte, erkannten wir dieses Gebot in der Mahnung Mosis: Gerechtigkeit, Gerechtigkeit sollst du verfolgen, damit Du es selbst erlebest und das Land in Besitz nehmest! Wahlen, Legitimationsausschuss, Tagesordnung und Protokolle waren dazumal von eben solcher strengen Korrektheit, wie sie es später nicht gewesen sind. Die Erziehung zum Parlamentarismus und zur strengsten Verfassungsmässigkeit war der Geist Herzls. Keiner seiner Biographen scheint das zu wissen. Am 30. März (Purim) 1902 fanden sich auf Einladung des Ahawat-Zion-Vereines zum ersten Male die zionistischen Vertrauensmänner Ungarns zu einer gemeinsamen Beratung ein. Es wurde ein provisorisches Landeskomitee konstituiert mit dem Sitze in Pressburg und Bettelheim als Leiter des Landesbüros. Dr. Ronai- Baläzsfalva und Bela Oesterreicher wurden zu Ehrenpräsidenten gewählt. Das Komitee wurde tags darauf in der Wohnung Oskar Marmoreks, Maximilianplatz 4 von Herzl empfangen, der in einfachen Worten die Richtlinien für den Zionismus in Ungarn gab. Er wendete sich in schärfsten Ausdrücken gegen jede jüdisch-nationale Politik ausserhalb Palästinas: „Eine potzdumme Bewegung gibt es im Judentume” sagte er, „das ist die jüdische Volkspartei”, (so hiess damals die jüdisch-nationale Partei Oesterreichs). „Ich will mit dem Zionismus die Judenfrage lösen und sie verwickeln, sie noch mehr. Man wird diese Kerle noch einmal . . ..!” Das provisorische Landeskomitee gab Nordaus „Der Zionismus” in der ungarischen Uebersetzung Gabels heraus und bereitete den I. Landeskongress des ungarländischen Zionismus vor. Dabei hat die ungarischstentsehe „Ungarische Wochenschrift”, die ohne jede Subvention oder Gegenleistung jahrelange den Dienst eines Parteiorganes versehen hat, der Organisierung der Bewegung grosse Dienste geleistet. Der Redakteur Julius Gabel, hatte die Aufgabe in Budapest einen jüdischen Politiker von staatsmännischer Bedeutung für die Führung des Zionismus zu gewinnen. Die Pressburger Zentrale hatte keinen Moment die Absicht, die Lei- 18