Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 25-26 (November 1937)
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 17 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Er wird häufig gänzlich totgeschwiegen und selten nach Gebühr gewürdigt. Er mag wohl die Pressburger Jeschiba besucht haben, wie alle aufgeweckten Knaben aus religiöser Familie. Als Spross einer alten Pressburger Familie weiss. er viel von Alt-Pressburg, wie er in dem früher erwähnten Feuilleton verrät. Durch ihn allein ist uns die brillante Erscheinung des Judenrichtcrs Abraham Fi. Lemberger, sein staatsmännisches Auftreten bekannt, Flr verzeichnet auch, dass die Pressburger Gemeindevorsteher seit Maria Theresia Vorsteher der gesamten Judenscbaft Ungarns gewesen waren und nennt als solche Koppel Theben, sowie Wolf Breisach, A. H. Lemberger, Moses J. Bettelheirn und A. H. Singer. Im Wurzbach’schen Lexikon wird er schmählich verrissen. Es wird offenbar übersehen, dass Korn weder Historiker noch Schriftsteller sein wollte, sondern in erster Linie Propagandist. Er hatte vor Allem rasche, für das breite Publikum geeignete Arbeit zu Leiern. Als gewesener Verlagsbuchhändler hatte er viel Erfahrung, reiches Material und war Meister der Mache. Er ist Autodidakt und in seinen ersten Schriften noch nicht recht flügge geworden. Sein alter, guter Familiennamen verbürgt die Ehrenhaftigkeit seiner Bestrebungen. Er ist von erstaunlicher Agilität, wenn auch nicht Gründlichkeit. Aus der leeren Tasche zaubert er ewig Zeitungen, Memoranden, Vereine, Bücher, Ausstellungen hervor. Die in seinen spärlichen biographischen Artikeln angegebene Bibliographie seiner Schriften ist wohl sehr mangelhaft und könnte nur nach langem Studium vervollständigt werden. Als Verlagsbuchhändler haftet ihm ewig ein Reklamestyl an, der auf seine Umgebung oft unangenehm wirkt, vielleicht ungerechterweise als Selbstreklame empfunden wird, wo er doch gänzlich der Sache ergeben war. Bei Gelegenheit des Todes Franz Deäks gibt er ein grosses Gedenkblatt heraus im Namen der Frauenwelt für deren Rechte Deäk, Pulszky u. a. im ungarischen Parlamente eingetreten ist. Hier wird uns Philipp Korn als Protagonist der Frauenrechtsbewegung in Mittel¬ und Ost-Europa vorgestellt. Seine Frau Mathilde ist Präsidentin der Frauenrechtsbewegung. Er sonnt sich im Reflex des Ruhmes Ludwig Kossuths. Das uns vorliegende Werk Philipp Korns stammt aus der Bibliothek Kossuths und trägt dessen Eigeatumsvermerk. Dieses leichtskizzierte Lebenswerk von Raphael-Anton-Philipp Korn-Kohn-Katz-Sturm-Ferencz verdient eine gründlichere Ausarbeitung. Es ist ja nicht das Leben, Streben und Ringen eines Juden, sondern vieler wegverlorener Söhne des Ghettos, von denen gesagt werden soll: Alles verstehen heisst Alles verzeihen! Als die Russen in Abaüj-Szänto Quartier nahmen, sollte der Grossfürst- Thronfolger beim Oberrabbiner Isak Nathan Lipschitz wohnen, er suchte aber eine Wohnung mit Klavier, die Wohnung des Oberrabbiners wurde daher für Paskiewitsch bestimmt, während der Grossfürst im Hause des Dr. Weiser gewohnt hat. Sie behandelten den Rabbiner mit der grössten Liebenswürdigkeit. Dessen Sohn Arje Leb (Leopold), der spätere Präsident der orth. Landeskanzlei Ungarns, war damals ein Knabe von io Jahren. 17