Mannheim
Compact Memory

Judaica · 1937-11-01 · 25-26 (November 1937) · p. Seite 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
4 (1937)
Issue
25-26 (November 1937)
Date
1937-11-01
Page
Seite 16 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2708078-2708092-2708095--537-2708662
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

überstanden. Nun sollte der General Sametz(?) meinen Sohn als Offiziersaspiranten anerkennen, wozu er eben durchaus nicht zu bewegen war. Das Kriegsministerium hat hernach meinen Sohn zur Aufnahme für die 4. Abteilung der K. k. Kadettenschule in Agram designiert, wo er sich nun seit einem viertel Jahr befindet. Abermals sind wir als Eltern verhalten, den Sohn ein Jahr lang zu unterstützen. Meine Sorgen erfahren kein Ende. Das Schicksal hat mir schwere Lasten auf gebürdet. Gott befohlen!” In einem anderen Briefe schreibt Korn aus Kikinda: ,,Beii mir stellen sich die Altersbeschwerden sehr merklich ein, ich kann nicht mehr anhaltend arbeiten! Wenn ich früher 8—10 Stunden gearbeitet habe, bringe ich es jetzt kaum auf 4 Stunden. Auch meiner Frau fällt das Reisen sehr schwer und durch briefliche Offerte kann man in diesem halbzivilisierten Lande nichts ausrichten. Niemand schreibt einem eine Antwort! Ich sehe dem herannahenden Alter mit Schrecken entgegen! Die deutschungarischen Schriftsteller erhalten keine Pensionen. Bei den Deutschen sind wir Ungarn und bei den Ungarn sind wir Deutsche! Gott bessere es! Ihr Freund und Kollege P. A. Korn, Hauptmann in Pension.” Mit diesem Brief verschwindet die letzte Spur, Raphael Sturms, alias Anton Philipp Korns. Ueber seinen Sohn Arthur erhalten wir von Herrn Professor Steinacker folgende Information. Ein Arthur Korn, Herausgeber der „Gross-Kikindaer-Zeitung”, steht 1902 wegen Aufreizung gegen die Magyaren in Szeged vor Gericht und wird freigesprochein, besonders, da er sich darauf beruft, dass sein Vater Hauptmann unter Kossuth gewesen ist. Er wird aber später noch dreimal, zusammen auf U/v Jahre Gefängnis verurteilt, entkommt aber nach Deutschland. Prof. Steinacker hat Arthur Korn persönlich gekannt, und erinnert sich an dessen Gedichte in schönem Einbande. Philipp Korn hat wohl ein Alter von 80 Jahren erreicht. Es w~ar erfüllt von einer mannigfaltigen und fieberhaften Tätigkeit. Die Moihel-Bücher der Pressburger Gemeinde, soweit sie erhalten blieben, weisen seinen Namen nicht auf, die Chewra-Bücher schon darum nicht, weil er als Kohen nicht als Mitglied der Chewra-Kadischa sein konnte. Seine patriotische Begeisterung hat wohl das für ihn höchste Ziel erreicht, er hat unter Kossuth gedient, mit ihm das Exil geteilt und sich dessen verbriefte Achtung und Sympathie erworben. Sonst aber hat er erfahren, dass Lorbeer ein bitteres Blatt bedeute. Der Hauptmann der Kossuth-Armee und verdienstvoller Propagandaschriftsteller der ungarischen Freiheitsbewegung hat 38 Jahre lange schwer ums tägliche Brot ringen müssen, auch im eigenen Vaterlande. Wie er nach seinen eigenen Worten, bei den Ungarn Deutscher und bei den Deutschen Ungar war, ist er wohl oft bei den Christen wie ein Jude und bei den Juden für einen Christen angesehen worden. Doch hat ihn z. B. Gabriel Riesser, der berühmte jüdische Führer in Hamburg freundlich ausgenommen und Korn schreibt ein Feuilleton in dem „Ungarischen Isrealit” in Budapest: „Der Schnorrer von Pressburg und Wien”. 16

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.