Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 25-26 (November 1937)
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nacht des 22., Eperjes verliessen und auf Kaschau und Miskolcz sich zurückzogen. Um aber nicht wieder von den ins Zempliner Komitat gerückten feindlichen Detachment Czesdajef in die rechte Flanke genommen und gar in den Rücken angegriffen zu werden, musste dieser Rückzug rasch ausgeführt werden und die von Kaschau nach Miskolcz führende Strasse früher gewonnen werden, bevor Czesdajef sie uns streitig machen konnce, welches denn auch durch General Wysoczky’s umsichtige Dispositionen trefflich gelang. Unsere, in Eperjes und Kaschau aufgehäuften Munitions- Montur- und Fruchtvorräte mussten aber der Armee und dem Lande umsomehr erhalten werden, als sie im gegengesetzten Falle dem Feinde in die Hand gefallen wären und ihm wesentliche Dienste hätten leisten können: die Armee, bei ihrem Durchzuge durch Kaschau am Morgen des 23. Juni musste jeden Augenblick eines Zusammenstosses mit dem Feinde und eines Gefechtes gewärtig sein, daher sie sich in ihren Bewegungen von der die Staatsgüter führenden Waggenburg (es waren 2000 Wagen. Red.) nicht hemmen lassen konnte und die Korn’sche Division der deutschen Legion allein mit der Rettung der ärarischen Güter und deren Kommandanten der gemessene Befehl erteilt wurde, die Stadt Kaschau so lange besetzt zu halten, bis sämtliches Landeseigentum daraus gerettet sein würde. Mit Hilfe der seinen Division beigegebenen Guerillas, gelang es Hauptmann Korn, des ihm gewordenen Auftrages, bis am Morgen des 24. sich vollkommen zu entledigen. Am Abend desselben 1 ages rückten die Russen in die, aller Mundvorräte baar gewordene Stadt ein. Nach dem unglücklichen Ausgange des Freiheitskampfes flüchtet er mit Kossuth nach der Türkei. Er hat darüber das unstreitig wertvolle Buch geschrieben: „Kossuth und die Ungarn in der Türkei55. Eine getreue Schilderung der Schicksale und Erlebnisse der ungarischen Emigration im Lande der Osmanen, nebst Darstellung des überwiegenden Einflusses Englands und Russlands bei der türkischen Pforte zu Konstantinopel von Philipp Korn, Hauptmann .... ehemaligen Kommandanten der Kaschauer Abtheilung der deutschen Legion in Ungarn und Inhaber des ung. Militär- Verdienstordens I. Klasse. Mit 3 Abbildungen. Kossuths Wohnhaus in Schumla, die Stadt Schumla von der Ostseite und Portrait des General Guyon jetzt genannt Kosched Pascha von Damaskus, Hamburg und New York, Schubert u. Co. 1851. Hier kann nur auf seine eigenen Werke hingewiesen werden, wo sich seine Erlebnisse von 1848—1851 abspiegeln. Um diese Zeit tritt er zum calvinischen Glauben über wie er sagt zur „ungarischen Konfession55, wie die meisten Juden in der Umgebung Kossuth’s, der die völlige Assimilation der Juden gerne gesehen hat. Von da ab ist sein ganzes Leiben ein hartes Ringen um das tägliche Brot, aber auch eine unermüdliche Tätigkeit im Dienste der Oeffentlichkeit. Er geht mit der besten Empfehlung von Kossuth nach Deutschland, England und Amerika.(?) Aus lexikalischen Werken erfährt man nur noch, dass er während des deutsch-französischen Krieges, Mitredakteur des Kriegskuriers in Stuttgart war und im Jahre 1863 nach Ungarn zurückgekehrt sei, wo er angeblich (Zsidö Lexikon) am 15. August 1886, anscheinend in hohem Alter in Gsenei gestorben sei. Auf unsern von Dr. Lavoslav Sik- Zagreb und Rabbiner Dr. Drexler-Timisoara vermittelten Anfragen, teilt man uns von dort mit, Korn sei nicht in Gsenei geblieben, sondern nach Deutschland ausgewandert. Man hielt ihn dort für einen geborenen Christen. Im Ungarischen Nationalmuseum in Budapest finden wir unveröffentlichte Briefe Philipp Korns von Hamburg, London, Bu- 13