Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 25-26 (November 1937)
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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gleich berühmten Hause in Israel angetraut worden. Die verwaiste Betty aber folgte dem Zuge ihres Herzens und nahm offenbar zum Schrecken ihrer Familie und der ganzen Gemeinschaft Israels den schmucken, so herrlich zu Rosse sitzenden Soldaten zum Manne. Der Ortsrabbiner Scheuer wollte dessen Einbürgerung verhindern. So kam leichtes Biut in die ruhmreiche, fürstliche Familie. Die Frohnatur und Lust zu fabulieren kam bei Heine mehr vom Vater her. Heine war in Freiheit aufgewachsen als Spross einer bei Christ und Jud hochangesehenen Familie. Upton Sinclair und andere gehen daher fehl, wenn sie von den gedrückten Verhältnissen des Ghettos reden, in welchen Heine erzogen sei und welche auf sein Seelenleben eingewirkt hätten. Er war vielmehr eine geborene Führernatur, mehr als Börne, der zu starker Doktrinär war, um wi rklich Führer sein zu können und der die überlegene Lebensweisheit Heines, wie viele Andere, als Charakterlosigkeit empfinden musste, weil dieser die Politik nicht auf das enge Prokrustesbett abstrakter Theorien spannen wollte. Heine war im Wesen eine vornehme, ja aristokratische Natur. Wenn Börne sich über „cet mechant aristocratisme de Heine” ärgert, bedeutet es mehr als den Gegensatz zur Demokratie. Beachtenswert ist auch die Bemerkung Saphirs, der (um 1827) von Heine sagt, dass er ungleich Börne seine jüdische Abstammung nicht betone, sondern nur häufig von seinen „Vorfahren” spräche. Die Gänsefüsschen zum Worte „Vorfahren” macht Saphir selbst und diese kleinen Zeichen sind ein wichtiger Beleg zu unserer Charakteristik Heines, dass sein ganzes Wesen von Ahnenstolz, vom Pflichtbewusstsein des noblesse oblige getragen war und dasis er die Mission in sich fühlte, gleich seinen Ahnen seinem Stamme einst Führer und Helfer zu werden. Es kam die unglückselige Zeit seiner kaufmännischen Laufbahn, der Versuch der Eltern seinen Pegasus in das Joch Merkurs zu spannen. Der Adler im Hühnerstall, den sehnsüchtigen Blick zu den Wolken gerichtet, muss es sich gefallen lassen, als ungeschickte Henne verhöhnt zu werden. Mehr als die angebliche Gedrücktheit des Ghettolebens, hat das so fehlgeschlagene Experiment, aus dem Liebling der Grazien einen handelsbeflissenen Manufakturwarenhändler zu machen, den Zwiespalt in der Natur Heines verursacht. An der Universität taucht sein Judentum in den Fluten des Deutschtums unter. Es taucht wieder empor, als er die Lehrjahre beendet hat, in Berlin sich zu entfalten beginnt. Er tritt im Jahre 1822 in den Verein für Verbreitung von Kultur und Wissenschaft unter den Juden. Da kann einer seiner Biographen nicht genug darüber staunen, dass Heine, der im Jahre 1823 so begeistert und selbstlos für seine jüdischen Brüder gewirkt hat, im Jahre 1825 das Judentum verlassen habe. Wir aber befragen unser Modell und erhalten daher ein wahres Bild von der Wandlung Heines. Es ist natürlich, dass er, der den jüdischen Führerstab geerbt hatte, in den Jahren, wo man Dienstpflicht für sein Volk erfüllt, sich mit Leidenschaft der geistigen 5