Mannheim
Compact Memory

Judaica · 1937-11-01 · 25-26 (November 1937) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
4 (1937)
Issue
25-26 (November 1937)
Date
1937-11-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2708078-2708092-2708095--525-2708650
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Alles war ihm nicht bloss religiöse Tradition, sondern, so lehrt mich mein Modell, gleichsam das überlieferte Zeremoniell eines fürstlichen Hauses in Israel! Max Brod hat das grundlegende Quellenwerk Kaufmanns ״Aus Heinrich Heines Ahnensaal״ studiert (aus kleinlicher parteipolitischer Raneune hat er alle auf Pressburg bezughabenden Stellen totgeschwiegen. Welch eine historische Gewissenhaftigkeit!) die hebräischen Stellen hat er wohl nicht verstanden, wie z. B. das Gebet für das Seelenheil des Grossvaters Heinrich Heines, des trefflichen Arztes, Theologen, Philantrophen und jüdischen Führers Dr. Gottschalk van Geldern, auch Reb. Götzl Düsseldorf genannt. Es lautet: יזבור אלקים את נשמת ה״ה התורני פרנס המדינה הרופא מומחה הרד אליקם בן פרנס המדינה ה״ה הרר אליעזר זצ״ל המוציא ומביא עדתו הישרים בלי שום נשיאות פנים כעניים כעשירים היה רץ כצבי להיות מן עשרה הראשנים׳ ונברר כארי לעשות רצון אביו שבשמים׳ קבע עתים לתורה לילות וגם ימים׳ עזרתו בחכמות הרפואה היתד, לנערים וזקנים הקימם מערש דרום׳ לילך בחוץ על משענתם׳ לכן תהי׳ נפשו צרורה בצרור החיים׳ עם נשמת שעד צדיקים וצדהניות שבג״ע ונאמר אמנ;ם׳ ונדרו בעבורו מתנות לצדקה בניו ובנותיו הנשארים לחיים׳ נפטר ונקבר בשם טוב ביום שלא נאמר בו כי טוב יום ב כט׳ תשרי ת׳ק׳י׳ן׳ לנפש לפ״ק ונקרא בפי כל ר׳ געטשללק פאן נאלדערן Welch eine wundersame Persönlichkeit! Solche Idealgestalten erstehen nur im Zwielicht zweier abwechselnden Kulturepochen, von welchen beiden sie das Beste in sich vereinigen. Dr. Gottschalk van Geldern, der hochgebildete Arzt und Landesvater der Juden seines Staates, ist bestrebt zu den Ersten zu zählen, die früh und morgens die Synagoge betreten. Er bestimmt täglich früh und abends Stunden für das Talmudstudium. Seiner Tochter Peierchens (Betty) Seele rankt sich wie Epheu an dem Stamme, an ihrem abgöttisch verehrten Vater empor. Sie nimmt an seinen lateinischen Arbeiten Anteil, das wissen wir, um wieviel mehr an seinen heibräisehen Studien, das können wir mit Sicherheit folgern. Betty van Geldern war saturiert vom biblischen, vom talmudischen Geiste (in des Wortes edelstem Sinne). Heine selbst ist ein Jahr nach dem Tode seines von Christ und Jude gefeierten Grossvaters geboren worden. Wenn Heine von den Werken der ״GeheimWissenschaft״ sprach, die sein Grossvater hinterliess, hat er die vielen Talmudfolianten der gewiss reichlichen Hausbibliothek poetisch umschrie־ ben. Die Atmosphäre des strenggläubigen Theologen erfüllte noch das Haus. Allerdings ist Heinrich Heine nicht mehr Vollblut-Aristokrat. Seine Mutter hat eine Mesalliance begangen. Sie hat augenscheinlich aus Liebe geheiratet! Hätte ihr Vater noch gelebt, so hätte sie sich zweifellos in ihre Bestimmung gefügt, sich ״als edle Rebe um edle Rebe״ zu schlingen und wäre einem Jüngling aus 4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.