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Judaica · 1937-07-01 · 23-24 (Juli 1937) · page 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
4 (1937)
Issue
23-24 (Juli 1937)
Date
1937-07-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
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Kampfe gegen die Steuer ist sich Dr. Reiss doch treu geblieben! Das eigentliche, rechtschaffene „Makkabäa”-Jubiläum wollen wir, im jirze hasem, im nächsten Jahre, am 15. Juni 1938 in Ehre und Treue feiern, umsomehr, als sich Dr. Julius Reiss, zu seiner und unserer Erholung vom öffentlichen Leben auf sein Gut, das einst seinem philantropischen Antipoden, Baron Moritz Hirsch gehörte, zurückzieht. Wenn er zu dem Gute auch die Güte Baron Hirsch’s erworben hätte! O, wenn der genius loci des Barons Hirsch da Wunder wirken könnte und unseren Führer, den Landtagsabgeordneten Dr. Julius Reiss zu einem wahren Philantropen entzaubern könnte, der seine Spenden wohltätigen und nicht wahltätigen Zwecken widmen würde. Amen! Der dritte Chorban. Es kann nicht anders sein! England macht nicht Ernst. Es will nur wie König Salamon, die beiden um den Besitz Zions ringenden Nationen prüfen, welche die wahre Mutter sei und Zion eher der anderen überliesse, als es in Stücke schneiden zu lassen! Wir haben auch diese Probe nicht bestanden! Die KKL-Presse versuchte schon diesen Chorban als den herrlichen Triumph eines unabhängigen Judenstaates in die Welt hinaus zu posaunen. Ein Freund unseres Blattes, ein alter guter Zionist, fragt an, ob das geplante Judenstaatchen nicht doch ein archimedischer Punkt für den Zionismus sein könnte. Jawohl, er könnte es sein, wenn wir dazu einen Archimedes hätten! Die allererste Bedingung wäre, dass dieser Miniatürstaat in ein festes Freundschaftsbündniss mit den Arabern treten könnte. Sonst kann den Staat das Schicksal der Armenier oder der Assyrer ereilen! Was ist die erste Wirkung dieses Planes, der nicht zur Ausführung kommen kann? Die gesteigerte Gereiztheit der Araber! Unsere erste Frage über den Zustand Palästinas war stets die eines Arztes: Wie hoch steht die Fiebertemperatur der Araber? Das einzige Mittel zur Gesundung Palästinas ist, dieses Fieber herabzumindern! Es gibt kein anderes! Das Fieber der Araber hat den höchsten bisher noch beobachteten Grad erreicht. Das ist das Schlimmste an der heutigen Situation. Vor etwa acht Jahren schrieben wir in der „Jüdischen Presszentrale”: Die Leitung hat uns die Araber in Palästina zu Feinden gemacht, sie geht daran auch das ganze iVlohammedanertum gegen uns aufzubringen. Man wird noch einmal den heiligen Krieg gegen die Juden predigen, wenn das so weitergent! — Wir setzen heute die Mahnung hinzu, dass die zionistische Leitung gar das schwere Kunststück zusammenbringen wird, die Engländer zu Antisemiten zu machen. Nicht weniger Unglück ist die schmachvolle Zerfahrenheit des Judentumes in der Palästinafrage. Das mächtige britische Reich hat einen Sprecher. Ob es sich um China, oder Australien, oder den Nordpol handelt, gibt der eine Aussenminister Eden die Erklärung im Namen des Weltreiches ab. Im Namen der kleinen jüdischen Kolonie in Palästina schreien Hunderte auf einmal. Weizmann, Goldmann, Jabotinsky, Stephen Wise, Rosenheim, Jakob Fischmann, oder gar die Primaballerine der WIZO. Dabei hat keiner von ihnen auch nur den leisesten Einfluss auf die Geschehnisse in Palästina. Während England im Jahre 1903 dem Zionistenkongress zur Entscheidung vorgelegt hat, ob dieser Uganda annimmt oder nicht, hat jetzt der Zionistenkongress nicht die geringste Bedeutung für das Schicksal Palästinas. Weder die zionistischen, noch die agudistischen Führer hatten eine Ahnung von den kommenden Dingen. Isak Breuer pries in Wien unter dem Vorsitze des zionistischen Kulturvorsteher die — Balfourdeklaration! Er hat ihr die letzte Ehre erwiesen! An die Spitze des jüdischen Palästinas musste ein wahrer Staatsmann, der schon in seinem Lande staatsmännische Karriere gemacht hat, gesetzt werden. In der ganzen Organisation, die jetzt überhaupt nur der Erhaltung des Beamtenstabes dient, müssen Männer von Charakter und politischer Reife gesetzt werden. Vorläufig wäre Dr. J. L. Magnes der beste Mann, der die Leitung der jüdischen Angelegenheiten in Palästina übernehmen könnte. Der Führer muss jetzt ständig in Palästina leben. Denn der Schwerpunkt liegt in den Verhandlungen mit den Arabern. Das war unser ceterum censeo vom Beginne an. Louis Feist, der Begründer der orthodoxen Weltorganisation „Agudat Israel”. Louis Feist ist als Spross einer alten Familie in Frankfurt geboren. Er trat als Lehrling in die bekannte Metallfirma Beer Sondheimer & Co., stieg bis 42

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