Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 23-24 (Juli 1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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Staate sein. Er griff auch zur Feder, wenn es galt, die Ehre des Judentums zu wahren, wie in seiner deutschen Broschüre gegen die Rede des Baron Königswarters im Reichsrat. Er folgte seinem grossen Bruder, dem Pressburger Oberrabiner, bald nach ins bessere Jenseits. Eine fürstliche Persönlichkeit schwand da aus unseren Reihen: In seinen Kindern lebt er weiter, in seinem Sohn R. Samuel Schreiber-Budapest, seinen Töchtern, die Frau Oberrabiner Schreiber-Pressburg, Frau Oberregierungsrätin v. Freudiger-Budapest, Frau Alexander Ullmann-Oradea Mare und Frau Kommcrzienrätin Gurary-Wien. Primarius Dr. Hugo Roth. Schmerzlich ist es, den Namen eines Freundes in so jungen Jahren einzeichnen zu müssen, hier in die Liste derjenigen, die wir niemals Wiedersehen dürfen. Er war auch jedermanns Freund, besonders derjenigen, die eines Freundes bedurften. Ein erfolgreicher Chirurg, bekannter medizinischer Schriftsteller, Belletrist, politischer Führer von staatsmännischer Reife, war er von einer herzlichen kameradschaftlichen Freundschaft zu jedermann. Er entstammte einer älteren jüdischen Ärztefamilie, sein Urgrossvater Samuel Roth hat schon 1821 in Pest den Doktor gemacht. Sein Vorfahre soll Mitglied des von Napoleon einberufenen jüdischen Synhedrions gewesen sein. Das Leichenbegängniss trug ein aussergewöhnliches Gepräge der allgemeinen Trauer. Die Bahre wurde im Garten des Jüdischen Spitales, dessen Chefarzt Dr. Roth gewesen ist, aufgestellt. Primarius Dr. Jakob Oesterreicher sprach im Namen der Spitalleitung bewegende Worte des Schmerzes und der Freundschaft, Landtagsabgeordneter Ludwig Mayer hielt im Namen der Chewra einen sehr eindrucksvollen slovakischen Nachruf. Am Friedhofe hielt Rabbiner Dr. Samuel Funk eine gehaltsvolle Trauerrede, in welcher er die Persönlichkeit des Verstorbenen kennzeichnete. Es sprachen noch Direktor Pfeffer für das Kuratorium des Spitals, Prof. Hrdlicka für den slovakischen Nationalrat und stud. Fried mann für die slovakischjüdische Studentenschaft. Die slovakische Presse widmet dem so jäh Dahingeschiedenen warmempfundene Nachrufe. Architekt Mano Polläk. Einige Tage, nachdem wir in unserem Budapester Cafe zusammensassen und der hochgewachsene alte Herr, der die zweite biblische Grenze überschritten hat, zukunftslicher sein im Entstehen begriffenes Werk über „Synagogen in Ungarn” besprach, erhielten wir hier seine Postkarte mit dem befremdlichen Inhalt, mit seiner Gesundheit ginge es seit dem letzten Zusammentreffen bergab „S apienti sat!” — Einige Wochen später kam die traurige Bestätigung seiner Ahnung. (Sein Lebensbild ist in unserer ersten Ausgabe gezeichnet.) Auf unsere Bitte hat er uns eine Skizze seiner einst im Waagthal wohlberühmten Familie Schulz und Polläk gegeben und noch ein Stück Kulturgeschichte aus dem Judentum der Slovakei der Vergessenheit entrissen (Judaica 15/16). Er zählte zu den Visionären, welche die Schönheiten des Lebens erkennen und sich nach deren Gestaltung sehnen. So hat er den unsterblichen prachtvollen Bauplan einer Hauptsynagoge in Budapest geschaffen. Er erkannte die grossen Möglichkeiten der gewaltigen Kräfte, die im Budapester Judentum brach lagen und zur Energie nur mit etwas Idealismus verwandelt werden konnten. Andere sahen die Vision eines Kulturpalais, das die vereinigten Bibliotheken der Goldziehcr, Vämbery, Kaufmann und Kayserling zum Weltzentrum jüdischer Wissenschaft geschaffen hätte, andere sahen die Möglichkeiten ein Zentrum zu schaffen, das Mittler zwischen dem Morgenlande und dem Okzi- 40