Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 23-24 (Juli 1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Kundgebung der Liebe und Verehrung des Leichenbegängnisses ist ja von der Tagespresse ausführlich und achtungsvoll dargestellt worden. Aus diesem reichen Leben und von den besten Portraits greifen wir als letzten, schönen Eindruck das Bild heraus, welches die Hofrätin als einfache, demütige Dienerin Gottes zeigt, wie sie in jahrelanger, emsiger Arbeit ihre Meisterschaft als Kunststickerin dem Tempel weiht. War es eine Vorahnung des Scheidens von dieser Welt, welche die Verewigte bewogen hat, wie einst die jüdischen Frauen beim Bau des Stiftzeltes, nicht Geldspenden hinzuwerfen, sondern Jahre hindurch in weihevollen Stunden, eine immerwährende Opfergabe für das Heiligtum zu schaffen, welche ihr Angedenken im Hause des Herrn wie ein ewiges Seelenlicht schimmern lassen wird! R. David Schreiber. Persönlichkeiten von der Vielseitigkeit des allzufrüh entrissenen R. David Schreiber entstehen nur an der Wegscheide zweier Kulturepochen. Starke Seelen vereinigen da in sich die den schwachen Geistern unvereinbar scheinenden Vorzüge beider Epochen. So hat David Schreiber noch in sich die patriarchalische Würde des Chatam Sofer-Hauses, die tiefschürfende Weise der alten Generation der Pressburger Jeschiba, den Maggid der alten Schule, mit weltmännischer Bildung und staatsmännischer Reife verbinden können. Er hat ostjüdische Tiefe und Wärme, mit ungarischem Schwünge und Unabhängigkeitsgefühl, mit deutscher Kultur und vor allem mit dem biblischen Pathos des Hebräers verbunden. Er gehörte aber jenem grossen, inneren Kreise der geistigen Pressburgs an, das mit dem Talmidim der Chatam Sofer Jeschiba einen Kreis über Ignatz L. Schreiber zu seinem 30. Todestage (13 Tamus) Land und Meer zog. Diese wahren Söhne Issachars, die rowez ben hamischpossajim sind, zwischen zwei Kulturepochen ihr Zelt aufgeschlagen haben, sind daher unersetzlich. So geht um ihn die antike Klage Chawal al deabdim. Er ging dahin gerade ein Menschenalter nach seinem grossen Vater R. I. L. Schreiber. R. Ignatz L. Schreiber, der Sohn des Ketab Sofers, hat als Eidam des berühmten Hauses der Lindenbaums in Drohobycz, daselbst eine Expositur des Geistes seiner Ahnen errichtet, wo weltliche Grösse und Gelehrsamkeit an einer Stelle zu finden waren. Er war stets von der Würde und Mission seines Hauses erfüllt, Führer in Israel nach altem, vornehmen Style zu sein. Von jenem profunden Talmudwissen erfüllt, das heute schon wie ein Märchen aus alten Zeiten klingt, konnte er doch Mittler zwischen sein Volk und seinem 39