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Judaica · 1937-07-01 · 23-24 (Juli 1937) · page 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
4 (1937)
Issue
23-24 (Juli 1937)
Date
1937-07-01
Page
– (sequence 38)
Language
German
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lern, die nichts als Epigonen des Geistes Samson Raphael Hirschs darstellen, diesen nur in möglichst komplizierter Weise stilistisch variiren, aber auf die Fragen ihrer Zeit keine eigene Antwort wissen. Er ist noch weniger mit seinem einstigen Meister Herzl zu vergleichen. Birnbaum übertraf Herzl mit seiner Kenntnis der jüdischen Volksseele und deren individuellen Behandlung, Herzl aber überragte ihn hoch als Staatsmann, der Birnbaum nie gewesen ist. Herzl war Premier- und Aussenminister, Birnbaum Kultusminister, dem diplomatische Kunst und Regierung völlig fremd blieben. Freilich war Birnbaum nicht bloss Theoretiker, er hat Bewegungen, Organisationen, Zeitungen und Kongresse geschaffen, aber alles innerhalb des neuen grossen Ghettos, des von ihm konsequent vertretenen Golus-Nationalismus. Seinem Volke einen würdigen Platz unter Nationen einzuräumen wie Herzl, hätte er nie vermocht. Er war auch ehrlich und verständig genug, nur den Platz zu beanspruchen, den er mehr als ein anderer auszufüllen im Stande war, aber es wurde ihm auch diese Genugtuung versagt. Ihm ist ein Ehrenplatz im Pantheon aller Völker gesichert, zwischen den Unsterblichen, deren reinen Seelen die höchste Fähigkeit eigen war, immer vom Gedanken an das Ganze erfüllt zu sein. Im eigenen Volke, das im Exile diese Eignung eingebüsst hat, bedeutet das für den wahren Führer stets ein Martyrium. So zählt auch Nathan Birnbaum zu den grössten Märtyrern des jüdischen Volkes. Sein Sohn Menachem hat das mit künstlerischer Intuition im kleinen Bilde darzustellen vermocht, das wahrhaft Prophetische im Antlitz seines Vaters, eine Erscheinung, die Gefolgschaft und opferfreudige Unterordnung bei jedem anderen gesunden Volke erzwungen hätte, hier aber den Führer zum lebenslangen Kampfe für sein Volk gegen sein Volk verurteilt. Aus dem edlen Auge bricht der wilde klassische Prophetenschmerz: Ami meh assisi lach? Der in weite Fernen dringende Blick erschaut Visionen künftiger unheilvoller Vergeltungen für die Verfehlungen seines Volkes, gegen die er vergebens mit der ganzen Kraft seiner starken Seele und seiner gottbegnadeten Wortgewalt angekämpft hatte. Er hat das Wort Zionismus geprägt. Es war die Regenbogenbrücke, alle Farben des Geistes seines Volkes vereinigend, sich versöhnend von einem Horizonte zu dem anderen spannend, alles Schone, Gute und Wahre beinhaltend, das in seinem Volke bisher unerkannt, verborgen gewirkt hat. Das Wort blieb, der Geist war ihm entflohen und irrte von einem Lager Israels zum anderen, ohne Gott zu finden, bis er sich von seiner irdischen Hülle befreit zu Seinem Throne emporschwingen konnte. Frau Hofrätin Leopoldine Stern. Eine ausserordentlich ergreifende Scene war es, als die Elite des ungarischen Judentums sich in der mit düsterer Pracht ausgestatteten Vorhalle des grossen Haupttempels in Budapest versammelt hat, um der Lebensgefährtin des Präsidenten der isr. Landesorganisation und der Pester isr. Gemeinde, Hofrat Samuel Stern, die letzte Ehre zu erweisen. Seit Menschengedenken war es der erste Fall, dass die first-lady des ungarischen Judentumes, eine Frau des Landespräsidenten zu Grabe geführt worden ist. Die Verewigte war Lebensgefährtin im besten Sinne des Wortes. Sie nahm Anteil an allen Bestrebungen des Präsidenten und wirkte stets verständnisvoll und hilfreich an seiner Seite. Sie ist daher mit allen Ehren eines jüdischen Führers bestattet und in den Trauerreden der hervorragendsten Personen der Gemeinde gefeiert worden. Ihr Lebensbild und die imposante 38

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