Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 23-24 (Juli 1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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Fragst du, wie Ahasveros: Was hat Mordechaj hiefür an Ehren und Stellung erhalten? so gilt die gleiche Antwort: „Er hat gar nichts erhalten!”, das Pressburger Judentum steht tief in seiner Schuld! Das ist nicht allein sein persönliches Ungemach, es ist ein trübes Sympthom, unrühmlicher für seine Umwelt, als für ihn selbst. Er ist der ehrlichste, verständigste und selbstloseste jüdische Journalist der Republik. Solche Geister bilden den Gradmesser für das sittliche und kulturelle Niveau ihrer Gesellschaft. Darum ist es doppelt bedauerlich, dass er auf dem hierländischen politisch-jüdischen Markte so tief unterpreisig notiert und darum wäre es doppelt erfreulich, wenn die Gesellschaft mit ihm „in die Lieb” gehen würde. In den verhängnisschwersten Zeiten des jüdischen Volkes stand er, der Soldat der Feder, treu und mutig auf seinem Posten, er zählt beileibe nicht zu den Kriegsgewinnern des jüdischen Freiheitskampfes, wohl aber zu dessen Helden. Das historische Fach, die so schnöde vernachlässigte Heimatskunde, findet in ihm einen ebenso begeisterten als fähigen Vertreter. So schliesst die Bilanz seines 25jährigen redlichen Volksdienstes mit einen grossem Saldo zu Lasten des Pressburger, des slovakischen Judentums. Uns aber, die wir die freieste Aussicht über das ganze Gesichtsfeld seiner ein Vierteljahrhundert umfassenden Tätigkeit gemessen, bereitet es Genugtuung, ihm die gebührende Würdigung seiner mit Undank vergoltenen Verdienste darzubringen. Chiefrabbi Prof. Dr. Landau Südafrika. Zu seinem 7c. Geburtstage. „Mein Anteil fiel in liebliches Gelände!” mag einer unseren Altmeister des Zionismus, J. L. Landau, mit dem Psalmisten sagen. Ferne vom zerfahrenen europäischen Juden turne, welchem der schwerste Ernst der Zeiten nicht den kategorischen Imperativ der Einigkeit zu lehren vermag, hat ihn die Bestimmung nach einem Neuland geführt, das keine Basalte und alte Schlösser hat. Er sah um sich herum nur hoffnungsvolles Aufblühen und zukunftsfrohen Optimismus. Er aber kann das colonial life formen zu einem der wichtigsteii Zentren der Diaspora. Er wächst wundersam mit seinen höheren Aufgaben. Ein Spross des grossen Prager Oberrabbiners Ezechiel Landau, in den besten Schleifstätten des jüdisehen Geistes erzogen, von Herzls persönlichem Kontakte geadelt, vereinigt er in sich das beste des alten und jungen Judentums und vermag den Mittelpunkt seiner jüdischen Umwelt und den Mittler zwischen allen Schattierungen seines Volkes zu bilden. Er erkennt mit seherischem Auge die wahren Schönheiten des Judentumes, und vermag sie anderen erkennen zu lehren. Er ist eine enthusiastische Poetenseele, geistlischer Dichter der Renaissancezeit. Sein literarischer Werdegang ist ja aus allen jüdischen Encyclopädien bekannt. Sein /ojähriger Geburtstag war die Gelegenheit für seine Gemeinde, sein Land und kol Jisrael, die Wertschätzungen und Verehrung, die der Chefrabbi von Südafrika geniesst, zu manifestieren. Schon früher hat die Gemeinde seiner Verehrer seine Aufsätze und Predigten in je einem stattlichen Bande herausgegeben. Die Jerusalemer Verehrer gaben ein schönes hebräisches Jubiläumsbuch zu Ehren des Jubilars, den hebräischen Dichter, heraus. Wesoth l’Jehuda Festschrift zum 70. Geburtstag des Chiefrabbi Dr. J. Landau, herausgegeben von seinen Kameraden, Freunden und Verehrern. Tel- Awiw 1937. Inmitten des furchtbaren Araberaufstandes wurde dieser schöne Kranz für den ehrwürdigen Jubilar geflochten. Wie schade, dass wir diese 34