Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 21-22 (Februar 1937)
- Date
- 1937-02-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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mit Patienten zu thun. So lange nämlich habe ich mein Diplom und bin jetzt auf ein Jahr hier bei den Baronen O’Naghten als herrschaftlicher Arzt angestellt. Meine Anstellung aber ist nicht bleibend und nicht bindend. Ich kann zu jeder Zeit auf eine bessere Stelle gehen, denn so lautet meine Übereinkunft. Und eine bessere Stelle muss ich suchen, wenn ich mit Weib und zwei Kindern ordentlich leben will, indeml hier nur ein1 Dorf ist, dessen allermeisten Bewohner lieber sterben, als Medizin nehmen, wie das leider! besonders jetzt bei den ungarischen Bauern ist. Nun kann ich zwar Anstellungen genug finden, aber sie wären meistens bei Judengemeinden, welches sowohl meinen Gewohnheiten und meinen Grundsätzen sehr widerspricht. E. W. kennen mich ja, ich bin mit Leib und Seele für die erhabene Christ-katholische Religion eingenommen. Lange schon wollte ich öffentlich sagen, was ich im Tiefsten meines Herzens bin, nähmlich Christ, aber die Verhältnisse waren nicht reif dazu und wollte ich erst fertig sein mit meinem Studium und als nützlicher Bürger eintretem in die Gemeinde .. . Ich bringe jetzt auch mein braves Weib und meine zwei geliebten Kinder, einen Knaben und ein Mädchen mit. Diesen Letzteren wegen besonders möchte ich gern, dass es bald geschehe, indem für den Knaben bald die Zeit der Schulerziehung anfängt und ich ihn gerne gleich von Anfang an christlich erziehen möchte. Aber es handelt sich nur um mein Auskommen als Christ. So lange ich Jude bin, ist meine Existenz geborgen, indem ich Gottlob bis jetzt immer glücklich als Arzt war. Ich will Sie also, mein theuerer und verehrter Freund, bitten um irgend eine fixe Anstellung bei irgend einem Grossen des Staates, oder noch besser der Kirche zu verschaffen. Bei Ihrer Berühmtheit und bei Ihrer grossen und wichtigen Bekanntschaft wird es Ihnen gewiss nicht an einer Versorgung für Ihren so sehr liebenden Freund fehlen. Am liebsten wäre es mir, wenn Sie mich an S. Excellenz den Hrn Erzbischoff von Erlau empfehlen möchten, indem mich dieser grosse Mann aus Wien aus schon persönlich kennt, indem ich in Wien die Ehre hatte mit ihm über Litteratur und von Jean Paul zu sprechen. Auch werde ich, wenn einmahi der Anfang gemacht ist, mich auch von meinem Baron, der Kammerherr und Ritter mehrerer Orden ist, aufs beste bei ihm empfehlen lassen. Überdies wird mir h. M. v. Ullmann (Moses Ullmann, der von Pressburg nach Pest kam, dort das Adelsprädikat von Szitanyi erhielt und zum Christenthume übertrat. Seine Frau Zippora pflegte noch als Christin aus dem Siddur zu beten. Die Red.), der wie ich weiss, bei Sr. Excellenz gilt und bei dessen Kindern ich Hofmeister war, das vorteilhafteste Zeugniss geben. Es wird E. W. also nur wenig Mühe kosten und Sie werden einen Menschen ewig und zeitlich glücklich machen. Ich bitte aber, dass diess so bald als möglich geschehe, weil ich sonst, besorgt für unsere künftige Subsistenz, ein jüdisches Engagement einzugehen gezwungen seyn werde. Dass ich auf jede Art, die Sie wünschen können, werde dankbar seyn, brauche ich meinem innigstgeliebten Freund und Gönner Rumy nicht erst zu sagen. Ich bitte um baldige und erfreuliche Antwort unter der Adresse M. K. in Pöcs-Petri b. Nagy-Källö, Szaboltser Komitat. Belieben Sie mir auch gefl. zu schreiben genau und ausführlich, wie es Ihnen in jeder Hinsicht geht. Ob Sie Ihre Stelle in Gran nach dem Tode des Primas für immer haben werden? Was Ihre Frau und Ihre Kinder machen? Ob Sie sich noch viel mit iSchriftstellerei abgeben? Und welche Gegenstände Sie jetzt vorzüglich bearbeiten. Ich bin jetzt ganz Arzt, von aller Litteratur entfernt. Wie glücklich wäre ich, wenn mich das Schicksal in Ihre Nähe brachte, um svieder durch Sie für alles Grosse und Schöne entzündet zu werden und wieder in 41