Mannheim
Compact Memory

Judaica · 1937-02-01 · 21-22 (Februar 1937) · page 41

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
4 (1937)
Issue
21-22 (Februar 1937)
Date
1937-02-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2708078-2708092-2708093--459-2708582
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

zu befördern, sowie mir zwei Exemplare von den zwei Blättern, worin Räthsei und Charade von mir Vorkommen. Doch dies Alles ist nicht der Zweck meines jetzigen Schreibens, sondern folgende Bitte. Da ich heute bei dem Banquier Hr. v. Lämel war und ihn ersuche, die Dedikation auf meine „Zehngebote” und Anhang anzunehmen, so gab er mir zwar noch nicht seine Einwilligung, aber er nahm das gedruckte Büchl mit in den Speisesaal, wo mehrere vornehme Gäste auch vom Hofe und vom Zensuramt waren, wie er mir sagte und zeigte es ihnen. In mehreren Tagen bin ich auf bestimmte Antwort bestellt. Ich zweifle nicht, dass sie bejahend ausfällt, besonders, da ich auch sagte, ich wolle es ihm und seiner Frau Gemahlin widmen, die etwas versteht. Nun bitte ich höfl. die Vorrede dazu bald möglichst zu verfertigen. Erwähnen Sie darin, den Dichter, dass dieser in der Theaterzeitung, in den Vaterländischen Blättern, im Hesperus, in der P a n n o n i a vorteilhaft rezensiert wurde, dass J. P. (Jean Paul) beide sehr lobte, den „Karl Reinhold” den dieser in der H e c a t e van Müllner, im Litteraturb latt zum Morgenblatt vortheilhaft beurtheilt, die Erzählung, die „Wahrheit des Traumes” in der Philo m e 1 e und Jean Pauls Widmung, sowie den m der Iris gedruckten Jubelton auf unseren Monarchen zum Namensfeste des Kaisers. Schreiben Sie gefälligst soviel Vortheilhaftes von mir als Sie verantworten können. (Meine Liebe zum Christenthume darf nicht berührt werden.) Diese geschriebene Vorrede sammt den biblischen Fragmenten werde ich Hrn v. Lämel übergeben. Sie belieben sich mit allen Ihren ehrenvollen Titeln und als Mitglied aller der lit. Gesellschaften zu unterschreiben. Wir bekommen dann mehr vom Verleger und auf H. v. L. macht es grossen Eindruck d. h. ich kann vielleicht auf meine Studienjahre gut unterstützt werden. Wenn es mir glänzend wird gehen, werde ich auch meinen theueren verehrten Rumy gewiss bedenken . . . Ihr ewiger Freund und Verehrer M. Kornfeld. P. S. Ich bitte auch in der Vorrede J. P.’s Brief am mich zu erwähnen und dass der Karl Reinhold bald in zweiter Auflage erscheinen wird, auch, dass ich in der Iris, Theater Zeitung (jetzt auch), Modeblatt (einst), an der Abendzeitung, an dem Wanderer (einst), in der Pannon i a [mitarbeitete] und dass ich ein Kandidat der Medizin bin. Auch würde es nicht schaden, der Welt zu sagen, dass ich wegen Broderwerb zu viel Zeit verlieren müsste. Auch könnte mein politischer Aufsatz und etwa mein Blick in die politische Welt berührt werden, aber zugleich meine Loyalität und meine legitimen Grundsätze hervorgehoben werden, kurz Viel und Alles. Ich weiss freilich nicht, wie ich das verdiene, aber Sie mein hochverehrter Herr v. Rumy sind so gütig, dass ich Alles an Sie zu schreiben und zu fordern wage, weil ich weiss, dabei nichts zu wagen. — Kornfeld. Beilage 4 Notizen für den Wanderer. Ein hochinteressantes Dokument! Ein wahrer Briefsteller für Streber! Während er dem bekannten jüdischen Mäcenas und Palästina-Freund v. Lämel seine Liebe zum Judentume beteuert, schwärmt er seinem Gönner v. Rumy seine Liebe zum Christenthume vor, aber unter strengster Diskretion! Keine Silbe von einer wahren Liebe zur Muse, kein Gedankenaustausch, kein Ausdruck wahrer Empfindungen. Dabei überrascht dieser Brief durch die uns bisher unbekannte Fülle und den Erfolg seiner literarischen Tätigkeit! Hat er selbst die günstige Kritik des dazumal so gefeierten 39

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.