Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 21-22 (Februar 1937)
- Date
- 1937-02-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Fürsten-Empfang in Ghetto-Zeiten ir. Die hebräische Poesie Alt-Pressburgs war vorwiegend Hofdichtung und auch seine deutsche Literatur bestand zumeist in patriotischen Festgesängen. Sonst gelangten nur theologische und liturgische Werke zum Drucke. Die Hofdichtung als wesentlicher Bestandteil der Verskunst des Ghettos, kann daher nicht umgangen werden. Aber auch die politische Bedeutung dieser Fürstenempfänge im Ghetto verdient mehr Erwägung, als es gewöhnlich der Fall ist. Die ausserordentlichen Auszeichnungen der Pressburger Judenrichter Simon Michel, Abraham und seines Sohnes Koppel Theben, Samuel Brill, Wolf Theben und Abraham Hirsch Lemberger waren Demonstrationen von hoher politischen Bedeutung, sie waren die gewaltigen Staffeln, die von der Unterwelt des Ghettos hinangetührt haben zur Oberwelt der Freiheit und Gleichachtung. Diese Männer waren die eigentlichen Wegbereiter der Emanzipazion der Juden und der bevorzugten Stellung des ungarischen Judentums, denn während der Pressburger Judenrichter bei der Krönung Leopold II. in Pressburg einen Ehrenplatz beim Krönungshügel erhalten hat und ihm der Kaiser persönlich die grosse goldene Gedenkmünze überreicht hat, durfte in Frankfurt bei der Krönung desselben Kaisers kein Jude dem Festzuge beiwohnen und einige Juden, die so kühn waren, diese Vorschrift zu übertreten, wurden auf die Wache gebracht. Noch eines sei hier mit Nachdruck vorge- L rächt! Keiner dieser Pressburger Judenrichter hat die hohe Gunst des Hofes zur Auszeichnung seiner Person benützt. Während die Wiener Juden, wie Eskeles Arnstein, Leidesdorf-Neuwall nach Auszeichnungen und Noblitierung strebten, hätte es ein Pressburger Judenrichter als ein Unrecht betrachtet, seinen durch eigene schwere Opfer errungene Gunst des Kaisers für seine Person und nicht für die Ehre und das Wohl seines entrechteten Stammes auszunützen. Ein jüdischer Historiker vermerkt es zu Ehren Koppel Thebens, dass er seinen ausserordentlichen Einfluss beim Hofe niemals zur Erlangung eines Titels verwendet hätte, ebensowenig, wie es seine Nachfolger in späterer Zeit getan haben. Es ist Tatsache, dass Hermann Pappenheim, der Vorsteher, die ihm von der Bach- Regierung angetragene Hofrats-Würde abgelehnt hat. Die Ehrung des Pressburger Judenrichters Koppel Theben bei der Anno 1790 stattgefundenen Krönung ist als grosser politischer Erfolg zu werten. Der Chronist Ephraim Trebitsch besingt das Ereignis in hebräischen Versen. Der Empfang des Krönungszuges vor dem grossen Tempel war eines der stolzesten Momente des Pressburger Judentums. Die Strassen, Fenster und Dächer waren vollbesetzt mit Menschen und der Knabe David Mandelli, der sich zum grössten Sprachenkenner seiner Zeit entwickelt hat, fiel da vom Dache, wovon ihm ein geistiger Defekt zurückgeblieben sein soll. Der Krönungszug ist im „Magyar Hirmondo” ausführlich be- 28