Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 21-22 (Februar 1937)
- Date
- 1937-02-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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chen Ghettostrasse, gänzlich in seinen Folianten versunkene Talmudist. Er krönt die kleine Gesellschaft einflussreicher Hoflieferanten, der Familie Simon Michels, Thebens, Leidesdorfers etc. Aber auch die grossen jüdischen Hoffaktoren Wiens wallfahren oft nach Pressburg zu ihm (auch nach Eisenstadt), da das Wiener Rabbinat ins Exil wandern musste. Sein in Pressburg ruhender Schwager Leb Mochiach, in der Wiener Handelswelt als Löw Marx bekannt, die Wertheimer, Oppenheimer, der Baron Aquilar huldigten ihm. Tiefste Religiosität, patrizisches Wesen, reicher Haushalt, künstlerischer Sinn und biblische Wohltätigkeit charakterisieren seinen Hof. Auch die Erscheinung des aus Wien exilierten Oberrabbiner Lipmann Jomtow, des Nachfahren der illustren Familie der Maor- Katan (Lucerna) ist noch nicht zur Genüge gewürdigt worden. Rabbi Nate Zans war früher Oberrabbiner in F. K. (Frauenkirchen?). In einer Konskriptionsliste von 1770 wird bemerkt, dass er seit 1696 in Pressburg weile. Da er 1772 gestorben ist, muss angenommen werden, dass er beiläufig ein Jahrhundert lange in diesem Jammertale geweilt hat. Kröndel, die berühmte Talmudgelehrte, die angeheiratete Urgrosstante Heines, war seine Nichte, ihr legendär gewordenes, theologisches Wissen charakterisiert das Niveau ihres Kreises. Sie hat hier mit ihrem Oheim Nate Zans wohl oft talmudische Diskussionen geführt. In der oben abgebildeten Quittung bestätigt Rabbi Zans vom (Vorsteher) Moses Fürth 25 Gulden für sein Seelengebet und die Mischnarezitation für das Heil der dahingeschiedenen Frau Rojsa erhalten zu haben. Ein fürstliches Honorar! WER WAR FRAU ROJSA? Sie war die zweite Frau des Jakob (aus) Hochhausen, besser bekannt als Juda Judel Hoichhausen (Hohenhausen). In der in unserer vorigen Ausgabe veröffentlichten Liste der Pällfy’schen Schutzjuden von 1744 ist Jakob Hochhausen angeführt. In der von Wachstein behandelten Liste von 1836 ist er als Jakob Aixhausen zu finden. Mehr sagt uns Max Schay in seiner wertvollen Arbeit „Die älteste Steuerliste der Pressburger Juden55 (Gold: „Juden und Judengemeinden55, Bratislava). Hier zählt Hochhausen zu den zehn Höchstbesteuerten unter 136 Kontribuenten. Das ist alles, was wir bisher über Juda Hochhausen, der ein ebenbürtiges Mitglied der illustren Gesellschaft war, die sich um die Judenrichter aus dem Stammhause Heines geschart haben, wissen. Allein das Archiv der Pressburger Judengemeinde enthält ein umfangreiches, wohlerhaltenes Dossier der Nachlassenschaftsverhandlung über das Erbe des im Jahre 1758 in Wien und seiner ein Jahr später in Pressburg verstorbenen Frau Rojsa. Wir erfahren hier überrascht, dass die erste Frau Hochhausens die Tochter des Henoch Koppel, des Ahnherrn einer illustren Pressburger Judenfamilie war, dass aber die Tochter und Gattin zweier so glaubensstarken Juden, ihren Mann und ihren Glauben verlassen hat 26