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Judaica · 1937-02-01 · 21-22 (Februar 1937) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
4 (1937)
Issue
21-22 (Februar 1937)
Date
1937-02-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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miten schon grossmütig ihren Irrtum. Nicht so Heine, er ist wie jeder wahre Dichter, und er war doch einer der wahrsten, ein Seher. „Es weinen die Blumen und die Sterne” über ein in Raum und Zeit waltendes, mysteriöses, unabwendbar scheinendes Verhängnis! Darum flucht er auch niemals den Antisemiten, ebensowenig, wie es der Seher Herzl getan hat, wie es aber alle beschränkten jüdische Politiker tun. Die Träne des Judenleides kehrt bei Heine zu ihrem Ursprung, dem Jordan zurück. Selbst im bekannten Preisliede auf die grosse philantrophische Schöpfung seines fürstlich generösen Onkels, Salamon Heine verrät sich der alle Zeitenfernen überschauende Adlerblick des begnadeten Genies. Ein Hospital für arme, kranke Juden Für Menschenkörper, welche dreifach elend Behaftet mit den bösen drei Gebresten Mit Armut, Körperschmerz und Judentum Das schlimmste von den dreien ist das Letzte Das tausendjährige Familienübel Die aus dem Niltal mitgeschleppte Plage Der altägyptisch ungesunde Glauben. Die ersten Strophen sind wohlbekannt und viel zitiert. Sie enthalten Alles, was der jüdischen Masse gefiel, Selbstverspottung, Witzelei und Greinen über das jüdische Schicksal und man nahm kaum den aufquellenden Schmerz des Dichters wahr. Unheilbar tiefes Leid! Dagegen helfen Nicht Dampfbad, Douche, nicht die Apparate Der Chirurgie, noch all die Arzneien Die dieses Haus den siechen Gästen bietet. Heine sieht die jüdische Festgesellschaft all diese Apparate mit Stolz und Genugtuung preisend, dieser Spitalsbau ist ihnen die höchste Leistung, die ein jüdischer Führer vollbringen kann. Aber sein Geist kreist wie der Aar hoch über diese Gesellschaft, er blickt in alle Fernen der Vergangenheit seines Volkes und in alle künftige Zeiten. Von dieser Höhe scheint ihm das „epochale” Fest des Spitalbaues, das allerdings gleichzeitig das Verbrüderungsfest zwischen Christ und Jude gewesen ist, liliputanisch klein; gleichwie später Herzl von seiner Flöhe, das „Rachmonus-Judentum” mit seinen philantrophischen Zwergschöpfungen, das sich ohne Ahnung von der Grösse seiner historischen Mission im Bau von Spitälern, Volksküchen und Altenheimen erschöpfte, mitleidig belächelt hat. Heine wrar ja damit betraut, wie es dazumal üblich w^ar, diese philantrophische Grosstat, welche das grosse Ereignis der Tagesgeschichte gebildet hat, in einer Ode zu verherrlichen. Seine Seele aber bricht wieder in dumpfe Klage aus; es wird nicht Ode daraus, sondern Elegie. „Wird einst die Zeit die e’wge Göttin tilgen Das dunkle Weh, das sich vererbt vom Vater Herunter auf den Sohn, wird einst der Enkel Genesen und vernünftig sein und glücklich? Ich weiss es nicht. . 21

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