Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 21-22 (Februar 1937)
- Date
- 1937-02-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Baron Ignatz Kolisch Zu seinem ioo. Geburtstag: 6. April 1837 zu Pressburg Vor einem Jahrhundert, das war die Aera der Wunderkinder in der Pressburger Judenstadt. Jahrhunderte lange durchgezüchtete Geistigkeit, verbunden mit einem allzu früh begonnenen Training des kindlichen Gehirnes, brachte beim Eindringen der europäischen Kultur ins Ghetto eine Generation von fast unheimlich rasch geistig entwickelten Kindern hervor, die zumeist brillante wissenschaftliche oder wirtschaftliche Karriere im Auslande gemacht haben, oft aber solche geistige Monstrums produziert hat, wie der vor einem Jahrhundert in der Seine ertrunkene Pressburger David MandelH, ein einzig dastehendes Phänomen der Linguistik, in dem sich aber die Extreme von Genie und Wahnsinn berührt haben. Aus dieser Aera ging auch Ignatz Kolisch hervor, der dem Zirkumzissionsprotokoll der Pressburger Judengemeinde nach, am 6. April (1. Nissan) 1837 als Sohn des Carl Caufman Kolisch und der Frau Regine geb. Herzberg geboren ist und von D. H. Jafe- Schlesinger und Jakob Deutsch in den Bund Abrahams aufgenommen worden ist. Er wird im Herbst 1841 in die Elementarklasse der Primärschule eingeschrieben und wird bei der Prüfung als erster belobt und ins Ehrenbuch eingetragen, sowohl im ersten, als zweiten Semester! Im Schuljahre 1842/43 wird er als zweitbester belobt, im 1843/44 wieder als erster, ebenso 1844/45. Im Sommersemester 1845 fehlt sein Name in der Ehrenliste gänzlich. Das Steuerbuch der Gemeinde führt schon 1845 ein Konto Carl Kolisch in Wien. In Wien absolviert Kolisch das akad. Gymnasium. Er wirft sich mit Leidenschaft auf die Erlernung von Sprachen, klassische und moderne, wie Mathematik, macht Reisen, wird Mitarbeiter des „II Patriote” in Italien, wird wegen seiner grossen Sprachenkenntnisse Sekretär des Grafen Kuchelew, den er nach Italien, Spanien, Frankreich, England und Russland begleitet. Erlebnisse, die in diesem scharfen Geiste künstlerisch verarbeitet, seinen Feuille- 13