Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 3 (1936)
- Issue
- 19-20 (November 1936)
- Date
- 1936-11-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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ner sich restlos und rastlos der Wissenschaft widmen können. Die hebräische Bibliographie war ihm mehr als den anderen geläufig. Es durfte kein Detail des jüdischen Lebens geben, das er nicht erfüllen musste. Er nahm an der Falaschabewegung ebenso opferfreudigen Anteil, wie an der Bemühung, die Marianen wieder zu gewinnen. „Und der Mann Moses war bescheidener, als alle andere Menschen der Erde’’’, d. h. es gab kein Menschenkind, das er als unter sich stehend betrachtet hätte. Er war ein grosser Rabbi und Zaddik, der inkognito einherging. ohne wallenden Patriarchenbart, ohne andere, als die bürgerlichste Keidung. Da jeder Gedanke, jede Geste eine Mizwa war, lag immer eine gewisse Seeligkeit der Mizwa- Freude auf seinem Gesichte. Er war der klassische Typus des Alt-Pressburger Privatgelehrten aus dem Vormärz. Ja, er war ,,dic Zierde Pressburgs”, aber der Träger eines Diadems sieht es nicht sondern der Fernststehende. Hat man den Gelehrtesten, den Frömmsten, den wahren Chacham. den Edelsten zu einer Sitzung zu einer Besprechung über Thora und Erez Israel, bei welchem die „Aguda-Jugend” das grosse Wort führte. geladen? In den letzten Wochen zog er,, der mit hundert Wurzeln in der geliebten Kchilla wurzelte, zu seinen Kindern nach Budapest. Wir sahen ihn hier wie Elia lebend entschwinden! Er starb am 7. Elul, und wurde in der grossen jüdischen Metropole unter grosser Teilnahme und Ehrenbezeugungen begraben. Trauerreden hielten Rabbi J. Steif, seine Brüder. Rabbi Sch. Weiss-Simonyi, Rabbi Isak Weiss-Vrbove und sein Sohn, Rabbi Weiss-Sahy. Das Andenken des Gerechten ist zum Segen! Dr. Koloman Dezsö. Nach Redaktionsschluss erreicht uns die traurige Nachricht vom frühen Hinscheiden des Vizepräsidenten der Pressburger Jesurun- Gemeinde, Dr. Koloman Dezsö, der als hervorragender Jurist und Förderer der humanitären Bestrebungen der B. B. eine hochgeachtete Stellung in der Pressburger Gesellschaft eingenommen hat. Prof. Josef Jellinek. Über die Grenze des Landes hinaus geht an die vielen Tausenden von Schülern die Trauerbotschaft vom Hinscheiden des Veteranen des Pressburger Schulwesens, des Mittelschulprofessors Josef Jellinek, der im 79. Jahre seines Lebens verschieden ist. Er hat seinen Beruf mit Hingabe und Liebe 44 Jahre lange ausgeübt, hat seine und tausend andere Kinder zu guten Menschen, Bürgern und Juden erzogen. Weniger bekannt dürfte seine Wirksamkeit ' im literarischen Vereine „Unitas” (1898—1899) sein, wo er als Vortragender funktioniert hat. Sein Andenken lebt im Herzen seiner treuen Schüler fort. Samuel Diamant. Nach Redaktionsschluss ereilt uns eine Hiobspost um die andere. Die prominenteste Erscheinung des Trnavaer Judentums Samuel Diamast ist nicht mehr! Mehr als andere können wir seine ganze Bedeutung für das Judentum einschätzen. Er ist einer der ältesten und vornehmsten Pioniere der jüdischen Rennaisance in der Tschechoslovakei gewesen. In diesem Momente können wir nur noch der verwaisten Familie und den Trnavaer Gemeinde Worte aufrichtigsten Beileides und der Trauer übersenden. Reflektor Die demokratischem Grundsätze des Herrn Angelo Goldstein. Der Abgeordnete der Partei, die sich lucus a non lucendo, die „jüdische” nennt, ohne dass man eine gesetzliche Handhabe hätte, sie wegen Markenfälschung zu klagen, hat im Parlamente die Demokratisierung der jüdischen Religionsgemeinden der Republik verlangt. Das ist ein Angriff gegen die Orthodoxie, denn die Jesurungemeinden sind zumeist in der Gewalt der „jüdischen” Partei. Herr Goldstein hat sein Mandat auf die Versicherung hin, dass er das gesamte, geeinigte Judentum vertrete, erhalten! In der Wahlkampagne ist nie die Rede von einem j ü d' i s c h-n a t i o n a 1 e n Programme; nach der Wahl erklärt man triumphierend, welch ein grosser Teil des Judentums der Republik sich zum jüdischen Nationalismus bekannt hätte. Es widerspricht durchaus seinem Wahlprogramme, dass er im Parlamente die Öffentlichkeit gegen diejenigen Kultusgemeinden hetzt, die noch immer nicht die Waffen vor dem KKL und der „jüdischen” Partei gestreckt haben. Die jüdischen Kultusgemeinden bestehen seit Jahrtausenden mit dem Zwecke, die alten, unveränderten Formen des Glaubenslebens zu erhalten. Die Kultusge- 38