Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 3 (1936)
- Issue
- 19-20 (November 1936)
- Date
- 1936-11-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Reich s. A. und den Vorstehern der Gemeinde, den Freudigers und ihren Kreis. Die Leitung der ung. Orthodoxie ging ohne Opposition in die Hände seines Eidams R. Samuel Kahan-Frankl j. 1. (s. Judaica 3/4.) Diese, Niemandem zuliebe, hingeworfene Portraitskizze besitzt den Wert von einer Seite zu stammen, die Jahrzehnte lange in offenem Kampfe mit dem Verewigten gestanden hat, es müssen milhamot hasem gewesen sein, von denen es heisst et wohew besofo. R. Mose Weiss. Im neuen Friedhofe der Budapester orthodoxen Ge - meinde ruht schon mancher Mann von Bedeutung, es fehlte aber noch das zentrale Grab des Zaddik, zu welchem fromme Seelen pilgern. Nmi erhebt sich in einfacher Form aber aus kostbaren Material, wie der darunter ruht, ein schönes Grabmal. . . Fragst Du bewundernd wie der Mann in der Bibel: Was ist jenes Grabmonument, das ich dort sehe? wird dir die gleiche Antwort: Es ist das Grab des Mannes Gottes, der zu uns herüberkam aus Judäa. Mit goldenen Lettern auf feinstem, weissem Marmor ist eingemeisselt das wahre Urteil: ,,Die Zierde der heil. Gemeinde Pressburg.” R. Mose Weiss wurde 1861 am Ausgange des 9. Ab, des Fasttages um die Zerstörung Jerusalem geboren. Auch das war symbolisch für sein Leben. Er erhielt seinen Namen zur Erinnerung an Chatam Sofer. Er entstammte der alten Pressburger Familie des R. Hirsch- Lewow=Lemberger und des R. Mendel- Schossberg, und war dadurch mit Max Emanuel Stern verwandt. Er führte aber seine Ahnenreihe bis zum grossen italienischen Thorafürsten Maharam Padua zurück. Sein Leben war von Kindheit auf der Thora gewidmet. Er war Schüler und Liebling seines Meisters, des Schewet Sofer s. A. Das verkörperte Pflichtgefühl hat er als er aus der Jeschiba trat, bekümmert um den Verfall der Glaubenstreue, einen Sabbatverein begründet, wo er junge Kaufleute mit der ihm eigenen hinreissenden Begeisterung auf dem Wege der Thora erhalten wollte. Als die Bewegung der jüdischen Renaissance manchen verlorenen Sohn zurückrief, kam er zu ihr, um die grosse Bewegung der Rückkehr in die gottgewollten Bahnen zu leiten. Werabim hesib meawon! Die Jugend erhob ihn begeistert auf den ersten Ehrenplatz und so lange er dort sass, führte die Thora den Vorsitz in der R. Mose Weiss Palästinabewegung. Allzubald musste er sich vom öffentlichen Leben zurückziehen, in die einfache Stube im historischen Hause, in diese Stube, wo mehr Kedusat erez Iisrael herrschte, als m Telawiw. Er war das inkarnierte Sefer Thora. Jedes Wort, jede Handbewegung war ein erfülltes Thoragebot. Die ethischen Gebote der Bibel hat er mit der gleichen subtilen Vorschriftsmässigkeit befolgt, wie die zeremoniellen. Sein Jugendfreund war der fanatische Palästinaverehrer Akiba Josef Schlesinger und als dieser nach Erez Israel ging, blieb diese ideale Freundschaft über Land und Meer bestehen. Er hat, wie man jetzt erfährt, die Kosten der Herausgabe eines Werkes seines Freundes aus Eigenem bestritten. War R. Akiba Josef jedoch ein Schammai. so war R. Mose Weiss ein wahrer Schüler Hilels. die Menschenfreundlichkeit selbst. Hat der Herr nicht den Menschen in Seinem Ebenbilde erschaffen? War daher nicht jedes Menschenantlitz, Rabbi oder Kind, Reicher oder Bettler. Jude oder Christ verehrungswürdig? Bei seiner leichten Auffassung, seinem immensen Fleisse und seiner Begeisterung musste er sich jenes profunde talmudische Wissen erwerben, das man an ihm bewundert hat, Er hat als Privatgelehrter, als Kleinrent- 37