Mannheim
Compact Memory

Judaica · 1936-11-01 · 19-20 (November 1936) · page 41

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
3 (1936)
Issue
19-20 (November 1936)
Date
1936-11-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2708078-2708088-2708091--413-2708536
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

meinde ist keine politische Arena, in welcher verschiedene Couleurs um den Sieg kämpfen. Sie hat die eherne durch Jahrtausende wunderbar durchkämpfte Aufgabe, die Gemeinde in ihren antiken biblischen Religionsformen zu erhalten. Die Pressburger Orthodoxengemeinde hatte früher ein ganz demokratisches Wahlstatut. Niemandem, in der aus allen Schattierungen des Judentums bestehenden Gemeinde fiel es ein, an den überlieferten Formen der K e h i 11 a Kedosa zu ändern. Das ist ja die wahre Bedeutung des Wortes ,,kedosa”, die Unveränderliche. Sie hatte ja niemals Bedenken gegen das liberalste Wahlrecht haben müssen, wenn nicht das jüdisch-öffentliche Leben derart korrumpiert worden wäre und nicht mit KKL-Ämtern und -Geldern, mit Mandatsversprechungen und einer mit riesigen Mitteln betriebenen Agitationen eine unsittliche Macht ins Gemeindeleben eingegriffen hätte. Das Glaubensleben steht über politische Formen. Die Führer haben die Pflicht, die alten Formen zu schützen, wie ein Denkmalschutzamt. Das Judentum hat grössere Gefahren überwunden, als die unwürdige Rede Goldsteins! Die Orthodoxie sollte sich mit einer Gegenforderung der Demokratisierung der KKL-Verwaltung revanchieren. Wir entbehren noch jede ^demokratische Rechenschaft über die Sammlung des KKL, zu welcher Herr Angelo Goldstein den Namen des Alt=Präsidenten benützt hat. Wie hoch ist der Betrag, der Kefar-Masaryk-Sammlung? Wie wurde er verwendet? Warum hört man nach zwei Jahren noch nichts vom Bau eines Kefar-Masaryks in Palästina? Noch eine Frage: Der Alt-Präsident Masaryk hat sich in zwei Interviews entschieden für den Frieden mit den Arabern ausgesprochen! In Palästina sehen wir ihn in der Gesellschaft der ausgesprochenen Brit Salom (Bund für den Araberfrieden), wie J. L. Magnes, Hugo Bergmann, Rabbi Chajim Sonnenfeld s. A. Darf in seinem Namen eine Politik betrieben werden, welche den Groll des Mohammedanismus gegen die Person des Alt-Präsidenten wenden kann? Die Orthodoxie steht auf dem Boden des aller Welt bekannten Bibelgesetzes über dem politischen Börsenleben erhaben. Die Geldsammlungen des KKL aber, die in einem zu intimen Verhältnis mit den Reichtags=, Landtags- und Stadtratswahlen stehen, müssen v;el demokratischeren Kontrollen unterworfen sein, als sie bedauerlicherweise sind. Die Gemeinde kann Jedermann jederzeit ihre Geldverwaltung zeigen wie viel Gehälter, wie viel Spesen man liquidiert. Wir bitten Herrn Goldstein, um ebenso genauen Ausweis des Spesen, der Gehälter des KKL, wie viel von unserem Geld nach Palästina kam, ob er dafür gesorgt hat, dass das in der CSR. gesammelte Geld auch den aus der CSR. ausgewanderten Juden zu Gute kommt, ob Einwanderer aus der Slovakei auch zu jüdischen Ämtern in Palästina kommen können? Noch eine Frage: Ist etwas in Erfüllung gegangen von allen Versprechungen und Behauptungen, die Angelo Goldstein in der Palästina-Frage deklamiert hat? Hat sich die Lage der Juden in der CSR. unter seiner Leitung verbessert oder verschlechtert? Bei allen anderen Nationalitäten hätte man nach solchen fürchterlichen Misserfolgen in der innern und äussern Politik, wie Goldstein sie zu verzeichnen hat, die Demission des Führers gefordert. Jahresversammlung Ahawat Zion- Verein. Wir müssen dem Berichte Zangwills geniale Diagnose voraussem den: „Der Jude ist als Individuum das klügste aller Völker, als Volk das dümmste aller Nationen.” Zu diesei Jahresversammlung ■ versammelten sich sehr kluge Individuen. Sie applaudierten stürmisch, als der Vorsitzende mitgeteilt hat, dass aus Bratislava allein, für Keren Hajessod allein, in den letzten drei Jahren rund eine Million Kronen eingelaufen sei und noch 200.000 Kronen einzukassieren seien. Die Ziffern geben wir mit Vorbehalt wieder, aber eine etwaige Variation ändert nichts an unserer Meinung, dass es sündhaft ist, unserer Bevölkerung so viel Geld herauszureissen. Es wird nämlich nicht gesammelt, sondern buchstäblich herausgerissen mit einem ganz unzulässigen Hochdruck und Wahllosigkeit der Mittel. Die übrigen jüdischen Institutionen werden notleidend, weil sie gegen die übermächtige „Konkurrenz”, die Riesenmittel für Zeitungs- und Plakatenpropaganda besitzt, nicht aufkommen können. Es wird kaum irgendwo im Verhältnis zu den anderen jüdischen Institutionen soviel für den KKL oder HK (wir sagen nicht für Palästina) soviel „h e r a u s g e r i s s e n”, wie in B r a t i s 1 a v a. Es ist als 39

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.