Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 3 (1936)
- Issue
- 19-20 (November 1936)
- Date
- 1936-11-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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die beiden Figdor Kitseers Avigdor, der Herausgeber des ,.Akedar Izchak” und Jakob, der die ketzerische Schrift Inhalt des Talmuds” verbrochen hatte, Hermann und Samuel Pappenheim, der Chatam-Sofer-Liebling Kalman Bettelheim, stets a quatre epingles gekleidet, Rabbi Fischmann hielt noch seine hinreissenden Kanzelreden, R. Nate Wolf, der reichsdeutsch redende Rabbi von ehernem Character krönte die Gesellschaft. Der junge, elegante, gebildete Bachur Abraham Frankl wohnte im Brüll’schen Hause. — das ist auch ein Farbenpünktchen an seinem Portrait, wie der kleine weisse Punkt, den der Maler auf dem Auge anbringt, um dessen Glanz zu erhöhen — in dem Hause, das besondere Charaktere prägte, wie R. Simon Schreiber-Eger-Erlau. R. Salomon Strasser Debrecen, R. Salomo Ullmann, gew. Präsident der orth. Kanzlei Rumäniens, R. Joel Feller-Beled, R. Josef Kohn Altona; diese Muster konveniren ja. Er wohnte, um historisch genau zu sein, mit dem Chajwer Liechstenstern, späterem Rabbi von Ürmeny und Heraus^ geber des ,,Machsike Hadat” zusammen bei ,,Koffermacher Schwarz” im zweiten Stocke. Man vernahm mit Respekt, dass die beiden Bachurim französisch sprächen. Es war von jeher dem Kreise von Bachurim aus gutem „verlässlichen” Familien inoffiziell erlaubt, vom sonst verbotenen Baume der Erkenntnis profaner Wissenschaft zu gemessen, besonders wenn es zu einer voraussichtlichen Mission befähigen sollte, die Orthodoxie nach aussenhin zu vertreten. Aber auch hebräische Poesie und Philosophie ward in den Kreis des Studiums einbezogen. Wie bereits erzählt, konnte Rabbi A. Frankl noch in den letzten Jahren den berühmten hebräischen Prolog Max E. Sterns zu „Tiferet hatisbi” auswendig hersagen. Das religionsphilosophische Werk „Akedat Izchak” mit seiner schwerverständlichen philosophischen Terminologie von Viktor Kitseer, 1849, „fern von jeder Gewinnsabsicht” herausgegeben, bildete damals die Sabbatlektüre der Bachurim. Die junge, bildungsfähige Seele fand hier die beste Schleifstätte, die alle Facetten seines Geistes blitzen machte. Vor Allem aber zeichnete ihn die lebhafte Anteilnahme an dem öffentlichen Leben aus, das damals noch im Zeichen des Makkabäerkampfes der Orthodoxie um ihre Unabhängigkeit stand, ein Kampf, der von Abraham Frankl von seinem Asubruche im Jahre 1869 bis zu seinem völligen Abschluss und Siege durch die anerkannte völlige Unabhängigkeit, betont durch die besondere Vertretung im Oberhause miterlebt und mitgekämpft worden ist. Er war daher, wie kein Zweiter, das lebende Lexikon der Geschichte der ungarischen Orthodoxie mit allen ideologischen, chronischen, politischen, persönlichen, wissenschaftlichen und religiösen Artikeln. Die „Judaica” hatte auch den Verblichenen eingeladen, seine Memoiren darüber zu publizieren oder wenigstens niederzuschreiben. Mit ihm geht ein wertvolles, unersetzliches Archiv der Geschichte der ungarischen Orthodoxie und auch ihrer Beziehungen zu allen Persönlichkeiten unserer Zeit verloren. Nach Beendigung der Jeschiba, lehnt er angebotene Rabbinate ab, er konnte im Hause seines Vaters ungestört sich seinem Studium und der Betätigung im öffentlichen Leben widmen und es zu einer quantitativ wie qualitativ imponierenden Talmudgelehrtheit bringen. Im Jahre 1905 wurde er zum Präsidenten der orth. Landes* kanzlei Ungarns gewählt. Von seinen Gegnern, als die schwache Hand getadelt, war er in der Tat von einer erstaunlichen Beharrlichkeit und Zielsicherheit. Er baute im widrigsten Unwetter der Zeitgeschichte die völlige Selbstständigkeit der Orthodoxie aus. Es liegt etwas Abgerundetes, Formvollendetes in seiner Biographie. He was a success! würde da der New-Yorker kurz urteilen. Er tritt von der Bühne seines Lebens ab, als er sein Ziel erreicht hat, als ob es allein Zweck seines Lebens gewesen wäre. Seine Popularität wurde gehoben durch die abrahamitische Gastfreundschaft seines Hauses und die brüderliche, distanzlose Art und Weise des Verkehres mit seinen Nebenmenschen. Seine Sprachkenntnisse haben seinen Horizont erweitert. Er trat nur selten ins grelle Rampenlicht der Öffentlichkeit. Er, der stets eine geistvolle und interessante Konversation führte, hat selten zur Feder gegriffen. Er hat jedoch Manuskripte, Beiträge zur Talmudwissenschaft und Homiilien hintcrlassen. Für den treuen Anhänger der Orthodoxie hat er das Höchste geleistet, aber auch der Fernstehendste begleitete mit Bewunderung ein „ Bestreben, mitten im hauptstädtischen glaubensarmen Zentrum, die Urformen des biblischen Gesetzeslebens zu behaupten und sichern, von Weltmännern, die mitten im Staatsleben stehen. Dieses Werk wurde wesentlich erleichtert durch die weise ausgleichende Führerschaft des Oberrabbi Koppel 36