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Judaica · 1936-11-01 · 19-20 (November 1936) · page 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
3 (1936)
Issue
19-20 (November 1936)
Date
1936-11-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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die aussergewöhnliche Schwierigkeit der Forschung. Es wäre unschwer, gleich den meisten historischen Zeitschriften, von verschiedenen Mitarbeitern unzusammenhängende Aufsätze in einem Hefte zu vereinigen. Unser vorgestrecktes Ziel jedoch ist, die so sträflich vernachlässigte Geschichte des Pressburger Judentums, dessen weitreichender geistiger Einfluss der gegenwärtigen Generation unbekannt geworden ist, der drohenden gänzlichen Vergessenheit zu entreissen; besonders aber die Geschichte jener durch Familienbande verketteten Reihe von Judenrichtern, deren Wirksamkeit mehr als Lokalgeschichte, wie biblischen Parabeln, beispielgebend und von unvergänglichem volkserzieherischen Werte sind. Diese fast drei Jahrhunderte umfassende Geschichte der Pressburger Judenrichter, zumeist Ahnherrn von noch jetzt blühenden, über Land und Meer ausgebreiteten promi* nenten Familien, konnte nicht aus den vergilbten Akten allein erkannt und lebenstreu dargestellt werden. wem nicht zu diesem trockenen Texte die alte heimliche Melodie von Alt-Pressburg, wohlbewusst ist. So obliegt der Redaktion allein die mühselige Forschungsarbeit im Tohu wa-bohu der völlig ungeordneten Archive des slovakischen Judentums, bei einer unglaublichen Indifferenz gegenüber allen jüdisch-wissenschaftlichen Dingen. Merkwürdigerweise ist in der Slovakei die Orthodoxie allein die Trägerin der jüdischen Wissenschaft. Die fünf jüdisch-wissenschaftlichen Zeit* Schriften der Slovakei fussen in der Orthodoxie. Die Jesurun-Organisation, welche über Bne Brit, jüdischen Kulturverein etc. verfügt, produziert überhaupt nichts auf diesem Gebite. Die Arbeiten einiger weniger Rabbiner der Jesurun, gehören eigentlich zum orthodoxen Kulturkreis. Die Leitung des Jesurun-Verbandes, der Bne Brit und des Kulturvereines stehen unter dem Banne der jüdischen Pseudo-Kultur von Dr. O. N. (keine Anspielung auf Drohnen). Das Archiv der Pressburger Je* surungemeinde ist teilweise im Jahre 1848 vom Feuer vernichtet worden, mehr hat ihm aber der Mangel an Feuer jüdischer Begeisterung dieser Gemeinde geschadet, ihr Archiv ist völlig verwüstet worden. Der vor acht Jahren gegründete „Jüdische Kulturverein der Slovakei” hat garnichts geleistet, hat seit Jahren nicht einmal die von den Statuten geforderte Generalversammlung abgehalten, und ihren Mitgliedern überhaupt keinen Rechenschaftsbericht gegeben. Die Statuten dieses , .Jüdischen Kulturvereines” verraten verzweifelt wenig Kultur! Der Name des Verbandes „Jüdischer Kulturverein der Slovakei” klingt im Statute auf hebräisch: Chewrat tarbut hajehudim ha-Slovensko(!) Drei Fehler in dem offiziellen, aus vier Worten bestehenden Titel eines jüdischen Kulturvereines! So sieht der Kulturkreis des Herrn Dr. O. N. aus, mit welchem die Judaica bei all ihren schweren Aufgaben noch zu kämpfen hat. Diese Zustände haben uns die Methoden der Kriegswirtschaft aufgedrängt. Wir sparen in der „Judaica” mit unnötigem Aufwand an Einleitungen, Wortschwall und Wiederholungen von Daten, die schon irgendwo gedruckt oder in jüdischen Nachschlagwerken zu finden sind. Damit ist tatsächlich er* reicht, dass der Inhaltswert eines jeden Heftes gleichkommt einem ganzen Jahrbuche, wie es mit den reichsten Mitteln an Geld und Männern ausgestatteten jüdisch-wissenschaftlichen Gesellschaften herausgeben. Im Buchhandel stellen wir nur die Zahl der tatsächlich erschienenen Nummern in Rechnung der „engere” (allerdings in vier Weltteilen wohnende) Freundschaftskreis der .Judaica” wird gerne zur Kenntnis nehmen, dass die Herausgabe der „Judaica” nur einen Teil unserer Arbeit bildet, dass damit auch der Aufbau der Judaica-Abteilung an der Komensky-Universität und ein ausgebreiteter wissenschaftlicher Informationsdienst verbunden ist. „Hütet Euch vor aufreizender Polemik!” Im Jahre 1882 hat Rabbi A. L. Lipschitz Gutachten von christlichen hebräischen Gelehrten gesammelt, welche bezeugt haben, dass der Talmud nichts enthalte, was der Ritualmordbeschuldigung den geringsten Anhalts* punkt geben würde. Der edle, hochgebildete Rabbi Lipschitz fügt dem Werke ein schönes Nachwort hinzu, worin er das ungarische Judentum, das durch die judenfeindliche Agitation zur Zeit der Tisza-Eszlar-Affäre in tiefste Erregung versetzt war. zur Mässigung mahnt, es solle nicht das Vaterland durch Anklagen wegen Antisemitismus in den Augen des Auslandes herabsetzen. Ferner: „Hütet Euch vor aufreizender Polemik!” Welch ein weises 31

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