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Judaica · 1936-11-01 · 19-20 (November 1936) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
3 (1936)
Issue
19-20 (November 1936)
Date
1936-11-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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weichen. Nicht weniger interessant ist auch der Umstand, dass die Bildchen von einem sich zur Augsburger Konfession bekennenden slovakischen Maler gezeichnet wurden. Neunzehn Jahre alt war Cyrill Kuth'k, als er im Auftrag der Prager Verlagsfirma die 12 Bildchen entwarf, mit welchen die vorliegende Haggada schel Pessach geschmückt ist.” Der Aufsatz beschäftigt sich mit den Lebensschicksalen des jungen slovakischen Haggada-Illustrators, der ein Sohn des evangelischen Pastors Bogdan Kutlik in Krizlice gewesen ist. Er beschreibt die einzelnen Illustrationen zu denHaggada-Texten und macht darauf aufmerksam, dass einige von ihnen Szenen darstellen, die früher künstlerisch noch nicht bearbeitet worden waren. Schliesslich wird Kutliks sonstiges Wirken besprochen, das sich auch später noch biblischen Vorwürfen zuwendete und namentlich in seinem reifsten Werke „Das erste Opfer des Todes” (Abels Tod) gipfelte. Es ist dankenswert, dass Tolnai das Andenken dieses begabten und originellen Haggada-Illustrators, dessen künstlerischem Schaffen schon im 31. Lebensjahr der Tod ein frühes Ziel setzte, der Vergessenheit entrissen hat. Sein Name ist nicht einmal auf dem Titelblatt der von ihm illustrierten Haggadaausgabe genannt, obwohl die einzelnen Bilder seine Signatur und die Jahreszahl 1888 tragen; ein Zeichen, welche Bedeutung in jener Zeit der Mitwirkung eines Künstlers an der Herausgabe eines Buches vom Verleger beigemessen wurde. Auch die sonst reiche neue Literatur zur Geschichte der Haggada-Illustrationen erwähnt Kutliks frühen Versuch, einen modernen Bilderzyklus zum Text des alten Pessach- Büchleins zu schaffen, meines Wissens nirgendwo. Und das, obwohl die Haggada-Ausgabe schon in S. Wieners Bibliographie der Haggada (Petersburg 1902) unter Nr. 776 verzeichnet ist. In der Encyclopaedia Judaica VII. Band, 1931, Seite 812, ist zum Beispiel zu lesen: „Im 19. Jahrhundert werden die beiden am meisten verbreiteten Vorbilder, die venezianische Holzschnitt-Haggada von 1629 und die Amsterdamer Kupferstich-Haggada in geringwertigen Drucken vervielfältigt. Haggaden kleinen Formats mit farbigen Bildchen im Stile des historischen Romantismus findet man in französischen Drucken der 50.—60. Jahre, jedoch sind es immer nur wenige, ziemlich rohe Bilder, keine Bilderzyklen, die hier geschaffen wurden.” Als erster Illustrationsversuch der neueren Zeit werden Joseph Budkos Radierungen aus dem Jahre 1917 angegeben. Sicherlich würde mancher interessierte Leser von Tolnais Aufsatz gerne Einblick in die Bildchen genommen haben, die im Hinblick auf die künstlerische Auffassung und den Standpunkt der Illustrationstechnik in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts gewiss bereits ein geschichtliches Interesse für sich in Anspruch nehmen können. Denn sie stehen zweifellos am Anfang einer neuen Entwicklungsperiode der Haggada-Illustration, die erst nach der Jahrhundertwende mit dem steten Fortschreiten der Technik in der Bildreproduktion zu voller Entfaltung und grosser Blüte gelangte. 8

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