Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 3 (1936)
- Issue
- 19-20 (November 1936)
- Date
- 1936-11-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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rätselhaft leidenschaftliche Liebe, die sich in unsterblichen jüdischen Gesängen verewigt hat und die Jugend seines Stammes mehr begeistern konnte, als die feingedrechselten, kalten Kanzelreden, war ein Feuer von den Altären seiner Ahnen, von derem Glanze, deren Taten und Tugenden, die wackere Muhme Bräunele oder Brunhilde, „mit epischer Monotonie55 erzählt hat. In solchen heimlichen Stunden reift in der Seele des jungen Nachfahren der Entschluss, einst, den trefflichen Ahnen würdig, ihnen gleich zu tun. Jichus, Ahnenstolz brennt in der Ampel des Herzens der Nachfahren, wie ein Ner Tamid, das ewige unverlöschbare Tempellicht, das in der Finsternis einsam gleisst, wenn alle anderen Lichter erloschen sind, das aber in historischer Zeit, wo das Volk wieder grosser Führer bedürftig ist, das ganze Volk in Flammen setzen kann. So glühte in der uns verloren geglaubten Seele Max Nordaus das verborgene Ner Tamid des Jichus seines Ahnherrn des hebräischen Gelehrten und spanischen Finanzministers Don Isaak Abrabanel, Spross des davidischen Königshauses, und vermochte Hunderttausende für die grosse Volkssache zu entflammen, als seine Zeit gekommen war. So glomm im Geiste des seinem Stamme völlig entfremdeten Bostoner Advokaten Louis Dembitzer Brandeis die stolze Erinnerung an das gepriesene Ahnhaus in Prag, bis der Frühlingssturm der Renaissance auch das Ner Tamid in seinem Herzen zum grossen Flammenzeichen des ganzen amerikanischen Judentumes auflodern liess. So kam auch der freigeistige Soziolog Franz Oppenheimer, Spross eines uralten deutsch-jüdischen Patrizierhauses, gleich Prof. Otto Warburg wieder heim, als die Not der Zeit wieder grosse Führer erheischt hat. War nicht Clarence de Sola, von uraltem spanisch-jüdischem Geschlechte, der Protaganist des Zionismus in Canada? Wäre Sir Herbert Samuel den Weg gewandelt, der zur höchsten Stelle in Erez Israel hinauf geführt hat, wenn er nicht sich seiner Abstammung vom polnischen Eintagskönig Saul Wahl bewusst gewesen wäre? (Es fliesst auch ein Tropfen vom Pressburger Judenrichter Sanwill Brillin in seinen Adern). Sind nicht die besten Namen der jüdischen Renaissance in allen Ländern wohlbekannten alten Klanges, wie Alkalay, Landau, Guedalla, Lourie, Rappaport? „ ... Denn es erzeugt nicht gleich Ein Haus den Halbgott, noch das Ungeheuer; Erst eine Reihe Böser oder Guter Bringt endlich das Entsetzen, bringt die Freude Der Welt hervor! — (Iphigenie.) Ach, die grossen Literarhistoriker! Liest man da nicht, dass die passionierte Liebe zum Judentume, die sich in den „Hebräischen Melodien55 so schrankenlos äussert, sei durch seinen Besuch in der jüdischen Schule oder mit seinem Bibelunterricht in der Klosterschule zu erklären, auch weil seine Mutter ja noch immer eine gute Deistin gewesen sei. O, dieses Feuer, das in den Judenliedern Heines lodert, ist höheren Ursprunges als vom Schulmeister 2