Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 3 (1936)
- Issue
- 17-18 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2708078-2708088-2708090--366-2708488- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Hamburg zur Bne Brit-Sitzung. Dort erklärte man mir entrüstet, dass man das Bild nicht annehme. Man werde doch nicht im Logenheim Herzl als Moses anbringen lassen. Ich erwiderte vergebens, dass der Künstler das Recht habe, sich sein Modell zu wählen. Als meine Vorstellungen taube Ohren fanden, erklärte ich die Sache vors Gewerbegericht zu bringen. Da einigten wir uns schliesslich darauf, dass mein Moses einen grauen Bart erhielt/' — Das bekannte Bild „Herzl an der Rheinbrücke” ist — wie Lilien weiter erzählt —, eine künstlerische Photographie, die er nicht, wie es fälschlich heisst, an der Rheinbrücke, sondern am Balkon des Hotels „Zu den drei Königen” (es haben da drei Könige gewohnt) gemacht hat. Die Zionisten nannten das Hotel nun scherzhaft „Zu den vier Königen”. Herzl bezeichnete diese Photographie als sein bestes Bild. So sprach Lilien von Herzl, dem er aber bei Lebzeiten Opposition gemacht hat. Im Jahre 1909 tagte der Zionistenküngress in Hamburg. Bne Brith stellte uns für kleinere Sitzungen und Mahlzeiten das Logenheim zur Verfügung. Vom umstrittenen Glasfenster grünste uns Liliens Herzl-Moses, Bne Brith bcfleisste sich damals schon einer wohlwollenden Neutralität. Gegenwärtig aber ist der Sammeleifer der B. B. für den KKL nicht zu bändigen! Man vernachlässigt darüber sogar seine statuarischen Pflichten. Herzls persönliche Stellung zu Bne Brith bestand in zwei Worten: Keine Geheimbündelei! Bibliographie Judaism in Life and Literature by Chiefrabbi J. L. Landau, London, Erward Goldston ltd. 1936, 347 Seiten. — Das Buch eines alten Meisters, gewohnt zu lehren und die pädagogische Wirkung der Lehre richtig einzuschätzen. Das gut ausgestattete Buch enhält eine Serie von Vorträgen über das Judentum, bildet aber ein Ganzes, das den Leser in prägnanter, sehr anschaulicher Weise das Wesen der jüdischen Religion, die Weltanschauung des Judentums, seine Kulturgeschichte, seine Bedeutung für die Menschheit und endlich die Geschichte der Renaissance des Judentumes von der hohen Warte des Geistes des Verfassers und doch sehr gemeinverständlich lehrt. Das letzte grosse Kapitel der jüdischen Geschichte die Wiedergeburt des Volkes ist Selbsterlebtes. Der junge J. L. Landau war schon Teilnehmer an den ersten zionistischen Zusammenkünften unter dem Vorsitze Herzls im kleinen Wiener Cafehause vor dem ersten Kongresse. Herzls Persönlichkeit verfehlte auch auf ihn nicht ihre Wirkung. Er ist Delegierter auf Zionisten-Kongressen, wo das unvergleichliche Freundespaar Herzl und Nordau ihre unsterblichen Apostrophen an ihr Volk und an die Welt halten. Procul negotiis, ferne vom Geschäftszionismus, hochgeehrt im ganzen Lande wirkt Universitätsprofessor Dr. Landau mit jugendlicher Begeisterung und Arbeitskraft, eine übriggebliebene Säule aus der klassischen Zeit des Zionismus. Die Stadt Israels von Paul Pourtant, Roman, Fiba-Verlag, Wien. — Es muss doch nicht alles, was über Palästina geschrieben wird, Propaganda für den KKL sein! Hier gibts einmal jenseits von pro und kontra mit prachtvoller künstlerischer Objektivität, mit der reinen Lust an dem Schönen, das vom Geiste des Autors prismagleich in seiner wundersamen Farben zerlegt wird, eine Reihe von Szenen aus dem Leben einer Familie jüdischer Deutschen, welche ihr Ahasverlos in die altneue Heimat führt. Pourtant führt einen meisterhaften Pinsel, Figuren und Hintergrund sind in einen Schimmer orientalischer Pracht getaucht, dessen Reflex auch die weniger romantischen Neulinge verschönert. Die Seele eines Poeten, das Auge eines Malers, das Gehör eines Musikers webt an dem Buche. Viel Kennerschaft verrät sich darin, die sich niemals in trockene Didaktik verliert. Auffallend ist die Übersetzung des Bibelverses: „Arammi oved owi”, der falsch mit Arammi eved avicha zitiert wird und übersetzt mit: Ein irrender Arammi war Dein Vorfahr. Wir übersetzen es: Der Arami wollte Deinen Vater vernichten. Es folgen noch die Skizzen: Der ewige Sadduzäer (Rathenau) Unter fremden Göttern, Der Arzt, Die Beichte des Marranen (mit Spinoza). Die Reiche (Napoleon und der Wunderrabbi in Palästina). Hamaaloth lischlomo Zijun lefi Schaah lenischmath... R. Schlomo Aaron Wertheimer, von Pinchas Grajowski. Jerusalem 5636. Ein provisorischer Denkstein nennt der Verfasser diese 29