Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 3 (1936)
- Issue
- 17-18 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Wie? Auch ein Sohn des grossen Pressburger Judenrichters Wolf Theben ruht hier. Mordechai Theben?. . . Auch ein Pressburger Todesco liegt hier. Ein altertümlicher Grabstein mit einem schönen, hebräischen und deutschen Verse mit alter Frakturschrift kündet von einem Manne, der weder Geld noch Gut suchte, sondern Rechtschaffenheit und Wohltätigkeit ausübte ... Pappenheim Pressburg? Welch ein Wiedersehen! Friderike Latzko, geb. Pappenheim ... auf demselben Steine: Marienne Latzko! Im Leben und im Tode haben sie sich nicht verlassen wollen, zitiert die Inschrift aus der Bibel... Sie konnte nicht Vater und Mutter verlassen, um sich an einen Mann zu hängen. Geschaffen glücklich zu sein und zu machen, ging sie an zu viel Selbstlosigkeit zu Grunde! Der Grabsteindichter weiss davon. Auf der Rückseite gibt es hebräische Verse. Er schildert die Tugenden der Mutter, doch als er von der Tochter spricht, schlägt die Flamme in seinen Worten auf: „Vom Himmel warst Du gesandt, Güte und Tröstung zu spenden!” ... Welch reicher Himmel Stern an Stern! . . . Feldmarschall- Leutnant Ritter v. Schweitzer . . . Ungarns grosse Lyriker, Dramatiker, Bildhauer, Maler, Kurialrichter, Minister, Staatssekretär, Parlamentarier von Ruf, Grossindustrielle, Gründer weltberühmter Firmen, Barone, Oberbürgermeister und die Milchstrasse unzähliger kleiner literarischen Sterne... Die Steine selbst künden von Kunstgeschmack und ästhetischem Empfinden. Die älteren Rabbinergräber sind exhumiert aus dem auf gelassenen alten Waitznerfriedhof, von dort kam auch Gabriel Südfeld, der Vater Max Nordaus, dessen hebräisches Epitaph der 23jährige Max Nordau selbst gedichtet hat. (Ungarl. Jüd. Zeitung, 1914, Nr. 7.) Hier ist nicht Zeit, sich staunend zu ergötzen! Da liegt petrifizierte Geschichte. Ein Grossteil der jungen Pester Gemeinde bestand aus eingewanderten Pressburgern, deren hoher Gemeingeist ihnen eine herrschende Position eingeräumt hat... Das würde Jahre der Forschung bedürfen, die Steine würden da reden, wo Menschen nicht reden wollen, von alten Zeiten! . .. Weiter! Haläsz Nätan! Das ist der Schuldirektor gewesen! Auf der Rückseite erzählt ein langes hebräisches Epitaph von seinen Tugenden und Taten. Wie merkwürdig! Kein Wort, dass er selbst einmal als hebräischer Poet bekannt war. Das ist ja Nosson Elieser Fischer aus der historischen Garde des „Kochbe Jizchak”! Weiter! Der heutige Besuch gilt eigentlich nur dem Grabe der Frau Irene Achilles Laguardia, der Mutter des Oberbürgermeisters von New-York, Fiorello Laguardia. Überraschung! Statt des pompösen, mit amerikanischen Emblemen geschmückten Grabstein, einen Grabhügel in Sophaform, von Epheu umschlungen, ohne Grabstein! Es lebt noch eine Tochter in Budapest. Sie wünscht gänzliche Diskretion. Der Mayor will darüber keine Publicity. Der Grabstein sei im Entstehen. — Einige Tage später findet das Begräbnis des grossen Sozialistenführers Jakob Weltner statt. Ein eindrucksreiches Erlebnis! Konservatismus und Sozialismus stehen einträchtig an der Bahre. Alter Ritus in Anwesenheit von tausenden von Arbeitern, die mit vielen roten Fahnen angerückt kamen. Oberrabbiner Hevesi entledigt sich seiner 18