Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 3 (1936)
- Issue
- 17-18 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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hunderten verwehrte Durchzug durch die Gemarkungen Tyrnaus wieder gestattet wurde gegen gewisse Mautgebühren, die in dem umfangreichen, von Kaufmann veröffentlichten Akte festgesetzt wurden. Darauf deutet das Wortspiel auf seinem Grabsteine: bimkomot ascher lo owar bo isch Jissroel kines berosch „hatyrna”. Schwer lag die Hand des Herrn über den Staat und die Stadt Pressburg zur Zeit, da Simon Michel sein verantwortungsschweres und undankbares Amt als jüdischer Führer mit soviel Selbstlosigkeit, Opferfreudigkeit und staatsmännischer Umsicht versehen hat. Der Türkenkrieg, der ungarische Aufstand, Pestkrankheit und Judennot waren die harten Prüfungen, die er mit soviel Bravour überstanden hat. Die Garde von jüdischen Patriziern, die ihn umgeben hat, ist uns durch die von Max Schay im Prachtwerke: „Juden und Judengemeinden Bratislava” veröffentlichte und trefflich kommentierte „älteste Liste der Pressburger Juden” (1709) bekannt geworden^*) Sie umfasst nicht weniger als 199 Familien, darunter 39 „alte Pressburger Familien”. Schay spricht die Vermutung aus, dass der Vater Simon Michels, der hier erwähnte Michael Jauriensis sei, da Simon Michel allem Anscheine nach aus Györ (Raab) stammte. Um diese Zeit vertritt schon Markus, der älteste Sohn Simons seinen Vater in der Führung der Pressburger Gemeinde. Wir kennen sechs Söhne und zwei Töchter Simon Michels. Abraham dürfte der gelehrteste unter ihnen gewesen sein, war Vorsteher der Prager Gemeinde, wo er besondere Verdienste um den Wiederaufbau der abgebrannten Hofsynagoge hatte. M ic h e 11 e s e r, dessen Söhne und Enkel waren ebenfalls gerühmte Führer der Pressburger Gemeinde. J e c h i e 1 wurde Hoffaktor des Markgrafen in Ansbach. Unter seiner Ägide wurde mit Unterstützung des Staates eine schöne Synagoge in Ansbach gebaut. Weniger hervorragend scheint H e n o c h, der in Wien und Pressburg wirkte, gewesen zu sein. Der hervorragendste dünkt S am u e 1, späterer Kammeragent der Zarin Anna I. und Intendant der Kriegskassa Polens gewesen zu sein. Sein Vater preist ihn im Testament als sehr klug. Aus einem Briefe Samuels im Gemeindearchiv, in welchem er gegen den Verkauf eines Anteiles der Stiftung durch seinen Neffen Hirsch protestiert, geht hervor, dass er gründliche talmudische Bildung besessen hat, wiedenn auch sämtliche Söhne Simon Michels im Talmudstudium erzogen scheinen. Selten war Thora und Gedula so sehr vereinigt, als im Hause Simon Michels. Zu ungeahnter Berühmtheit gelangte ihre jüngere Schwester, Sarah Lea, die in Wien geheiratet hat und nach dem Tode ihres Vaters ins Haus ihres Mannes Lazarus van Geldern nach Düsseldorf gezogen ist. Es war in Israel hochgepriesenes Haus der Wohltätigkeit, der Thoraverehrung und des politischen Einflusses, den man nach alter Tradition zum Wohle des Judentumes verwendet hat. Aber gegen die Mitte des 18. Jahrhundertes fährt es wie ein wirtschaftlicher Tornado durch die grossen jüdischen Fi- *) Schay sucht in dieser Liste die Deutung der Namen Paff. Es mag die Abkürzung von Frankfurt sein, wie Basch von Burgenkunstadt, Nasch von Nikolsburg und Poll von Friedländer. 6