Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 3 (1936)
- Issue
- 17-18 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2708078-2708088-2708090--340-2708462- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ein Freudenfest für den österreichischen Staat, doch so katastrophal für die an der Seite der Türken kämpfenden Juden (1686), war Pressburg wieder das Emporium für die gewaltigen Heereslieferungen an die Truppen in Ofen und Belgrad. Als Stichprobe sei die im Jahre 1688 von Samson Wertheimer bei der ungarischen Hofkammer eingereichte Klage angeführt, nämlich gegen den Verzug der Lieferung von 40.000 Meterzentner Kleie, welche die Pressburger Handelsjuden Moses von Donauwörth und Koppel von Holitsch zu beschaffen hatten. Um diese Zeit war Simon Michel schon in kaiserlichen Diensten tätig. Am 11. Feber 1699 wird Simon Michel von einer kaiserlichen Kommission zum Vorsteher der Juden in Pressburg und diesseits der Donau ernannt. Das im ungarischen Landesarchive befindliche Dokument ist schon von Kaufmann veröffentlicht worden. Es lautet: Von der Kays, zu Beschreib- und Einrichtung der im Königreich Hungern sesshafte und handelnden Judenschafft verordneten Comission, dem Simon Michl Juden zu Prespurg hirmit anzudeutten, dass die Kays. Commission geschlossen habe, dass er Simon Michl, biss auff weithere Disposition, der hisigen Judenschafft Vorsteher sein solle, wir dann desswegen dass gehörige an die hisige gesambte Judenschafft, herbeykomend bereits ausgefertigt worden ist. Also ist der Kays. Comission ordtnung hirmit dass er Simon Michel sothanen Vorsteher ambt allhier mit aller guter Ordnung anwartten, die unruhige Juden zur Einigkeit ermahnen, die vorkommenden Klagen flevssig ad notam nehmen und sothanen der Kays. Commision bey dero | Zurukhkunfft schriftlich beybringen solle. Ex Comissione Caesarea. Pressburg . den 11 Feber 1699 Dem Simon Michel Juden allhier Presburg zuzustellen (Loc. Sig.) Johann Franz v. Olbern m. p. Johann Bornemisza m. p. Georg Anthony Ferschner m. p. Man gewinnt den Eindruck, dass der Ahnherr Heinrich Heines gleichsam als Regierungskommissär ernannt und nicht von den Gemeindemitgliedern frei gewählt worden ist, wenn es auch dem Wunsche der Meisten und Besten der Gemeinde entsprochen haben mag. Wir lesen errötend, dass „die unruhigen Juden zur Einigkeit gemahnt’5 werden müssen durch die Staatsgewalt. L"nd es muss ja ein ganz gutes Element von klugen, thoratreuen, wohltätigen und auch vornehmen Menschen gewesen sein! Aber auch in den Jahren vor der „ambtlichen55 Wirksamkeit Simon Michels verrät sich seine überlegene organisatorische Kraft in dem raschen Aufbau des Gemeinwesens, welches er zu seinem Aufenthalte gewählt hatte. Wir rühmen es sonst Rabbi Lippmann Jomtow, der mit den Wiener Flüchtlingen nach Pressburg gekommen ist, nach, dass er die Statuten der Gemeinde und der Chewra Kadischa verfasst habe, diese beiden Organisationen scheinen aber das Werk Simon Michels gewesen zu sein. Mit seiner Niederlassung in Pressburg greift eine starke, führungssichere Hand ins Gemeinde- 3