Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 3 (1936)
- Issue
- 17-18 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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| Die 4 Novembris 1693. j Eminens Herren Cardinalis von Kollonitsch pp. vor Simon Michael Kays. Müntz Juden, hat ein Löbl. Stadt Magistrat resolvirt, dass besag-! ter Jud, so lang er in Kays. Diensten stehend würde, auff hiesigem Grund; und Boden, jedoch allein in der Vor-Stadt wohnen kann; Hingegen sich! Alles denen Bürger Zum nachtheil reichenden Handelns auff hiesigem Stadt-Grund gäntzlich enthalten; widrigen falls Ihme dieses Indultum eo I ipso benohmen und aufgehoben seyn solle. "0^/ M Diese Empfehlung zur Aufenthaltsbewilligung wurde, wie ersichtlich contre coeur auf Anordnung des Kardinals Graf Kollonits gegeben, was umso bemerkenswerter ist, als der Kardinal ein erbitterter Gegner des Judentumes war und die Ansiedlung von Juden durch drakonische Gesetze zu verhindern gesucht hat. Simon Michel war schon früher in Pressburg als Bevollmächtigter der beiden berühmten Wiener Hoffaktoren, Samuel Oppenheim und Samson Wertheimer tätig. Pressburg war dazumal der grosse Umschlagplatz der grandiosen Lieferungen der beiden Hoffaktoren für die Armee des Prinzen Eugen v. Savoyen, der es ja offen ausgesprochen hatte, dass er ohne den finanziellen Beistand Oppenheims und Wertheimers den Türkenkrieg nicht führen konnte. Dieses mächtige Zentrum der staatlichen Lieferungen hat eine grössere jüdische Bewohnerschaft in Pressburg bedingt, wie sie von früheren Historikern vorausgesetzt wird. Die Vertreibung der Juden von Wien, von welcher nur einige Familien ausgenommen waren, hat für Pressburg ihr Garn su letoba. Ein an Zahl und Wert bedeutende Immigration von Wiener Vertriebenen brachte die Gemeinde zur höheren Blüte. Aber das Jahr des Verderbens 1679, wo die Geissei Gottes, die Pest 12.000 Opfer aus der innern Stadt Pressburg geholt hat, muss die Pressburger Judengemeinde durch Tod und Flucht arg entvölkert haben. In solchen Zeitläuften leidet der Jude vielfach mehr. Als wandernder Handelsmann wird er und seine Ware als Ansteckungsgefahr abgewehrt und er unterliegt strengeren Massregeln als die Anderen. Furchtbar war das Loos der Pressburger. Die vor dem Würgengel Flüchtenden wurden nicht in die benachbarten Orten eingelassen. Man trieb sie wie Hunde mit Peitschen aus dem Orte — erzählt der Chronist. Wie muss es erst den Juden ergangen sein! Die Stadt war zudem verschlossen, wie Jericho. Jeder Verkehr stockte monatelange. Einige Jahre später wütete wieder eine pestartige, fieberische Krankheit in Pressburg. Doch das Leben fordert seine Rechte. Zur Zeit der Erstürmung Ofens, 2