Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 3 (1936)
- Issue
- 15-16 (Februar 1936)
- Date
- 1936-02-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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rum muss jeder Kampf bis zur Erschöpfung ausgetragen werden oder bis ihn ein fremder Schiedsrichter abbläst? ln Newyork, in dem babylonischen Wirrwar von Millionen heterogenen Juden, hat vor Jahren ein jüdischer Rechtsanwalt den später selbst vom Gerichte anerkannten „Jewish court” gegründet, der jahrelang gut funktioniert hat. Kann das nicht auch hier gelingen? Welches ist die Muttergemeinde? Als ob nicht genug Reibungsflächen da wären, erhob die Jesurun-Gemeinde nach 6 5 Jahren ihrer Existenz den Anspruch als Muttergemeinde zu gelten. Wenn die Tochter 350 Jahre und die Mutter 65 Jahre alt sein kann, hat Jesurun recht. Es liegt aber bereits ein Gerichtsentscheid (1890) vor, dass die orthodoxe Gemeinde die echte Mutter sei. Und wer hat die Gänse am Martini in Wien präsentiert!! Wen versteht man unter Preschburger Kehilla? Oberrabbiner Schreiber oder Dr. Arpad Tauber? Welche Gemeinde besitzt die Jeschiba? Soll dieselbe nun unter der Leitung Oskar Neumanns fortgeführt werden? Bne Brith würde ihn sicherlich dazu ernennen! Diese Gemeinde heisst von jeher „Mutterstadt in Israel”, und sie fragen, ob sie Muttergemeinde in Pressburg sei! Die Angabe eines Blattes, dass die Kehilla hamaatira einige Zeit lang Status quo war, ist zu absurd! Hier war das Hauptquartier der Orthodoxie im Kampfe gegen die Kongressorganisation. Pressburg hat sich sofort sich selbst angeschlossen. Die Gemeinde hat die Kongressorganisation nicht anerkannt, den eingesetzten Distriktspräses Moritz Bunzl nicht zur Kenntnis genommen, das gewählte Distriktskomitee (das noch innerhalb der Gemeinde stand) als illegalen Gewaltstreich erklärt. Erst im Jahre 1872 sind Bunzl und Genossen ausgetreten und haben eine neue Gemeinde gebildet, die Errichtung einer neuen Chevra Kadischa stiess sogar in der eigenen Gemeinde auf Widerstand. Sie verhandelten mit der Gemeinde sogar wegen Wiedereintritt. In vielen Gemeinden ist der orthodoxe Flügel ausgetreten, hier aber ist die Spaltung von dem linken Flügel vollzogen worden. Nach König Salamo ist es die wahre Mutter nicht, welche die Spaltung wünscht. Adolf Alkalay & Sohn. Die weltberühmte hebräische Verlagsdruckerei ist unter dem Hammer. Wir, die wir ihren glorreichen Lebenslauf fast von der Geburt an begleitet haben, konnten uns nicht versagen, ihr die letze Ehre zu erreichen. Wir waren bei der Exekution anwesend. Die Exekutoren haben sich, juristisch genommen, ganz korrekt benommen. Die Unseligkeit unseres hiesigen jüdischen Geisteslebens brachte es aber mit sich, dass die zwei Walzen, zwischen denen die berühmte Anstalt zermalmt worden ist, aus der Advokaturskanzlei des jüdisch-nationalen Abgeordneten und der Kanzlei eines Bne-Brith-Führers bestand. Letzterer benahm sich nicht nur juristisch sondern sogar menschlich korrekt. Der Vorwurf trifft nicht die Kanzlei sondern Bne -Brith. Die Loge war hier zuständig, zumal sie noch einen zwanzigjährigen Rückstand an Leistungen auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft am Kerbholz bat. B. B. bedeutet nicht Bier-Brauerei, für deren Sanierung man kolossale Summen mobilisierte. Die Sanierung oder Sicherung der Firma Adolf Alkalay & Sohn gehört zum Pflichtgebiet der B. B. Schlimmer noch als die Tatsache an sich ist sie als Symptom. Die Führer der jüdisch-nationalen Partei sind die hervorragendsten Amrazim am Platze. Der Kulturreferent der B. B., der ein profunder jüdischer Gelehrter sein müsste, hat keine blasse Ahnung von jüdischer Wissenschaft. Der jüdische Bücherrat der Stadtbibliothek detto. Der jüdische Landtagsabgeordnete ist der dritte in diesem Bunde. Sie haben keine Vorstellung von der Bedeutung des unsterblichen Impressums Adolf Alkalay & Sohn. Die gewaltigen Schnellpressen, die man nach anderen Städten wandern lässt, sie haben Jahrzehnte lang unter mächtigem Donner Thora verkündet, die Worte von Reines, Ephraim Dainard, hier wurden geschaffen die unsterblichen Meisterwerke von Bacher Vater und Sohn, von David Kauffmann, von Bloch, von Blau, die grossen Werke der Wissenschaft in Breslau und Budapest erstanden hier zum Leben. Muss dies ein jüdischer Abgeordneter, ein jüdischer Bücherrat, ein jüdischer Kulturreferent der B. B. wissen? Bewahre! Aber fragt die christlichen Beamten an der Universitätsbibliothek, sie kennen die Werke Pressburger hebräischer Bibliographie! Selig sind die Unwissenden denn ihnen gehört das Mandat! Im Jahre 1875 übernahm Löwy & Alkalay die Druckerei von Köttritsch & Zimmermann. Sie setzten schön ein mit dem Drucke der hebräischen Zeit- 36