Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 3 (1936)
- Issue
- 15-16 (Februar 1936)
- Date
- 1936-02-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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Dorf Kralovan, an einer ruhigen, spiegelglatten Waagbucht, so auch das in der Nähe liegende Stankovan, standen fast ausschliesslich im Dienste der Firma. Da sah man viele, viele Dutzend Flösser und Handlanger bis zum Nabel im eiskalten Gebirgsfluss watend, ihr schweres Tagewerk verrichten, Samstag ihren Wochenlohn in dem stockhohen Blockhaus — Kanzlei genannt — in Schlangenlinien beheben. Dann ging es natürlich ins nahe, an der Komitats-Ecke Ärva-Lipto gelegene, durch lebhaften Transito-Verkehr wohlbekannte Wirtshaus. Da ging es wie in einem Bienenkorb, ein und aus. Rechnet man hierzu die Arbeiter der Ärvaer und Turöcer Faktoreien, gibt das ein Heer vieler, vieler hundert Menschen, welchen die Firma Brot zu geben hatte. Kulturell war die Firma nicht untätig, zum Segen gar vieler jüdischen Gemeinden in Turoc. Sie gründete eine 5 Lehrer starke jüdische Elementarschule, an dessen Spitze kein geringerer, wie Simon Bacher stand. — Unterricht war deutsch, ungarisch, damals bloss Lehrgegenstand. Gründliche Notionen bekamen wir selbst aus Geographie, Physik, auf Kopfrechnen und reines Deutsch in Wort und Schrift, legte man grosses Gewicht. De facto gab es kaum einen Schüler, der orthograpisch nicht fest beschlagen gewesen wäre. Auch christliche Jungen bekamen wir zu Mitschülern. Die zu dieser Schule selbst aus ferner Umgegend sich Drängenden, konnten in bloss beschränkter Zahl aufgenommen werden. Die Herren Lehrer waren alle Samstage und Feiertage in den Familien Schulz und Polläk als Gäste abwechselnd gerne gesehen. Lrnter den bedürftigen Jungen durfte ich mir immer fast für ein Schuljahr zwei „Tagesser” wählen. Jeden Freitag kam ich in Mutters Auftrag, mit einem Holzkörbelchen voll Geld bei den Ortsbedürftigen herum. Die Schapselten, die Chaile, Jäntl Steifrock — die Büglerin — et tutti quanti wie sie alle hiessen — waren mit so und soviel, an Feiertagen mit viel höher bedacht. Waren Feitel oder Schmule zu einem Gelegenheitsgeschäft kapitalbedürftig, fanden sie bei Sch. u. P. zinsenlos offene Hand. Unseres Wissens gab es keinen Darbenden in der jüdischen Gemeinde, diese als solche war stetig ein Sorgenkind der Firma. Genau erinnere ich mich an den Sväty Martiner Rabbi, den jungen, bebrillten Sonnenschein, der im Tahre zweimal im Szucsän Predigt hielt. Da gab es edlen Wettstreit, welche Familie an der Reihe sei, den sympathischen, oder modernen Rabbi zu bewirten? Bald war er nach Newyork berufen. Die Familien Sch. u. P., Trostlers und Löwinger (dieser der Vater des hochverdienten Gemeindepräses Dr. Wilhelm Löwinger Bratislava) hatten fünf Ingenieure, einen Architekt, drei Doktor Juris, ein Medecinae, drei diplomierte Landwirte, sowie eine ganze Schaar geprüfter Handelsakademiker (Pressburg, Wien und Prag) erzogen. Soweit die Kulturbeflissenheit der jüdischen Gemeinde Szucsan. Die Mittel flössen wohl aus geregelten Erwerb, den Im- 30