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Judaica · 1935-11-01 · 13-14 (November 1935) · p. Seite 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
2 (1935)
Issue
13-14 (November 1935)
Date
1935-11-01
Page
Seite 30 (sequence 32)
Language
German
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bist du grosser Berg vor Serubabel? Eine Ebene!” Das ist kein müssiges Zitat, das scheint unter gleichen Umständen gesagt 'worden zu sein, weil das individualistische jüdische Volk niemals den Staatsmann verstand, sondern den Priester, den Gelehrten und vor Allem den Reichen! Der Staatsmann, in den Winkel gedrängt, wurde zum Prophet, das heisst, er konnte blos die negative Kunst seines staatsmännischen Seherblickes ausüben und den Untergang des falschen Systems Voraussagen. Staatsmännisch ragt Herzl mit Eiffelturmhöhe über den ganzen Kongress hervor, welcher ihn, statt zu sabotieren, mit allen Vollmachten ausstatten sollte. Wenig betont wird auch in Bein’s sonst sehr wertvollen Biographie, die epochale Wendung, die Herzl in der Judenpolitik hervorgebracht hat: d i e Einstellung des Kampfes gegen den Antisemitismus, wie er schon in den ersten Tagen ankündigte: Sieg den Christen, Frieden den Juden, ich bringe damit den Antisemitismus der ganzen Welt mit einem Rucke zum Stillstand! Herzl hat vom Anfänge an auch mit Antisemitenführern verhandelt, wie später mit Plehwe. Während gegenwärtig selbst Zionistenblätter den Kampf gegen den Antisemitismus (mit welchem Erfolge?) betreiben, hat man diesen aussichtslosen Windmühlenkampf unter Herzl mit der Bezeichnung „Abwehrjudentum” lächerlich gemacht. Herzls Tod würde für den Zionismus dasselbe bedeuten, wie der Tod Alexanders des Grossen für Makedonien — wenn wir nicht die Bibel besässen! Das reiche, oft neue Tatsachenmaterial, das uns Bein bescheert, ist anerkennenswert, eine neue vergrösserte Ausgabe des unvergleichlichen Heldengedichtes „Herzl”. Es wäre ja schon ein wundersames Buch, wenn Herzl nur die Schöpfung der Phantasie eines Dichters gewesen wäre. Allein Herzl war stranger than ficr.ion! Hier hat die Natur wieder die Kunst übertroffen. Darin irrt auch Bein mit vielen anderen, dass sie der Meinung sind, die spätere Legende werde die Gestalt Herzls sublimieren. Im Gegenteil! Die ganze Grösse Herzls hat nur sein engerer Kreis, der mit ihm gelebt, gewirkt und geduldet hat, begriffen: die Nachwelt wird ihn mehr ehren und feiern, aber das Phänomen Herzl nicht ermessen können, weil es kein zweites Beispiel für ihn gibt. Würde auch einmal ein anderer Herzl entstehen, so würde er nicht zu jener herkulischen Anspannung aller seiner immensen Fähigkeiten, zu dieser titanischen Arbeitsleistung genötigt sein, wie Herzl, der noch mit seiner Person ein ganzes Volk ersetzen musste. Auch das Buch Alexander Beins gibt noch immer keine richtige Vorstellung von der fabelhaften Intuition, mit welcher Herzl begnadet war; es fehlt auch die richtige Einschätzung seines Organisationsgenies, seines biblischen Gerechtigkeitswillens, seiner königsstolzen Chalakterreinheit, mit welcher er auch sein Volk durchdringen wollte und die er •wie seine Jünger zu den unentbehrlichsten Bedingungen der Erschaffug eines neuen konsolidierten Staatswesens gehalten hat. Äzsia lelke (Die Seele Asiens) von Bertalan Hatvany, Budapest 1934. Franklin-Gesellschaft. — Die Familie Hatvany bildet ja ein Völklein von Dichtern und Denkern. Baron Ludwig Hatvany hat auch seinen modernen Judenroman geliefert. Aber der schwere Band, den Baron Bertalan der europäischen Zivilisation wie einen Fehdehandschuh hinwirft, schlägt ganz aus dieser Art, gera.de weil er nur Art von seiner Art sein will. So verlässt der junge Moses die aegyptische Priesterschule, die sich als aller Weisheit höchster Schluss dünkt, und setzt dieser den Geist des Gottes Abrahams, Isaks und Jakobs als ältere und höhere Menschheitslehre entgegen. „Die Seele Asiens” ist die Seele ( :r gottsuchenden Menschheit. Das Buch langt wie eines der grossen Bücher der Vorzeit zum Anfänge aller Dinge hinauf: aus dem Chaos und der Kindzeit der Menschheit entwickelt sich das ungeheure Gesichtsfeld der Geistesgeschichte aller Völker des nahen und fernen Ostens. Das reichliche Bildermaterial, eine Kunstgallerie aller Zeiten und Völker des Orients, geht nur nebenbei mit, denn die eigentliche „Seele Asiens” liegt tief unter der Oberfläche des Kunstlebens seiner Völker. Die ganze Himmelsleiter chinesischer und japanischer Dynastien, die bis zum Boden der Jetztzeit herabreicht, Mizrajim, Babel, persische und indische Weisheitslehren, Moses, Buddha und Judenchristentum, wer zählt die Völker der Urzeit, deren Geister sich in diesem merkwürdigen Buche wieder treffen! Eine überwältigende Fülle von kulturhistorischen Szenerien, verständlich selbst dem Ungelehrten und dem Gelehrten noch immer interessant genug. Dem Verfasser scheint 30

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