Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 13-14 (November 1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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was man dem Baron auch gewährte. Unter seiner Leitung ist die Untersuchung im Sigray-Hause vorgenommen worden und natürlich ist nichts gefunden worden, worauf der Pöbel ruhig abgezogen ist. Dagegen ist es in der Todescoisehen Stiftung arg hergegangen, dort haben sie die ganze Nacht gearbeitet, haben das Dach sowohl, wie einen Teil der Mauern demoliert und eine Fahne aufgesteckt, worauf mit großen Buchstaben: National-Eigentum geschrieben stand. Auch haben sie im Palffygarten, wo Herr Moritz Geyduschek sein Branntwein- Magazin hatte erbrochen, den Branntwein ausgetrunken und was sie nicht (austrinken konnten, weggeschleppt oder ausrinnen lassen. So ging die Nacht vorüber und man hat in der Judengasse erst in der Frühe erfahren, was in der Bewahranstalt und bei Geyduschek vorgefallen war. Doch zeigte sich alles ruhig. Wohl kam in der Früh der Mann der Modistin Fischer zu mir und sagte mir, ich solle aus meinem Geschäfte auf der breiten Stiege ketten, was zu retten sei. Ich hatte Waren im Werte von 2500 fl. dort, doch konnte ich nichts tun, da ich keinen Eingang von rückwärts hatte, und von der Vorderseite konnte ich doch nicht so öffentlich die Waren forträumen. Außerdem kvar ich nicht darauf gefaßt, daß der Sturm schon in einigen Stunden von Neuem angehen werde. Es war noch nicht 3 Uhr morgens, als sich vor meinem Geschäfte eine bedeutende Anzahl von Menschen angesammelt hatte, zu gleicher Zeit wurde eine Compagnie Soldaten außerhalb des Gitters aufgestellt. Das Gitter wurde gesperrt" Es wurde mir klar, daß es bald über meinem Geschäfte gehen werde. Der Hauptmann des Militärs hieß Brodofsky vom Regiment Alexander. Ich habe ihn gebeten, mir 10 Mann Militär mitzugeben, die Ware in meinem. Geschäfte zu retten. Darauf erwiderte er mir, er habe bloß den Befehl, beim Gitter zu stehen. Bald darauf hat sich der Pöbel m großen Massen angesammelt und hm 7 Uhr mußte ich, ohne helfen zu können Zusehen, wie sie mein Portal erbrachen, wozu ein Maurer von der Weidritz, ein Schlosser und Hausmeister von der Windgasse bestimmt waren. Ungefähr um 9 Uhr hatte die Plünderung den Höhepunkt erreicht. Zur selben Zeit wurde eine Sitzung in der Stadt abgehalten, wo beschlossen wurde, daß sämtliche Juden binnen 24 Stunden aus der Stadt ziehen müssen, was durch Plakate bekannt gegeben wurde. Ein solches Exemplar wird noch heute in der Agrani-Schul alljährlich zu Ostern verlesen. Nachdem dieser Beschluß gefaßt war, beiläufig um 10 Uhr, erschien der Stadthauptmann Motko bei der breiten Stiege mit dem weißen Tuch in der Hand und hat das Zeichen zur Einstellung der Plünderung gegeben. Die Geschäfte waren isclion sämtliche ausgerläumt. Am Ärgsten hat mein Geschäft ausgesehen, das Portal wie Einrichtung waren gänzlich zerstört. Von den Waren war bloß ein zerschnittenes Stück weißen Ritzersammet geblieben, welches mit Blut bespritzt war, da sie sich darum gerauft haben. Diesen Samt 16