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Judaica · 1935-11-01 · 13-14 (November 1935) · p. Seite 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
2 (1935)
Issue
13-14 (November 1935)
Date
1935-11-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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Tagebuch. Da sich mein 70. Jahr nähert und ich mir seit meiner Selbstständigkeit sämtliche größeren Ereignisse und besonders Ereignisse in der Familie zu Notiz genommen habe, selbst die meiner Jugend jahre, da mir der Ewige das Glück gibt, daß mein Gedächtnis derart frisch ist, daß ich von meiner frühesten Jugend her alles denke, als wäre es erst jetzt geschehen, Siehe ich mich veranlaßt, meine Lebensgeschichte ... niederzuschreiben. Ich will auch in Kürze die Abkunft meiner Eltern und Großeltern, soviel ich von ihnen Genaues weiß, niederschreiben und zwar will ich bei meinen Großeltern beginnen. — Mein Großvater hieß ursprünglich Mosche Jergen, meine Großmutter Ranne — sie waren ganz schlichte ehrliche Leute, mein gottseliger Großvater war Hausierer mit Schnittwaren und lebte in Ragendorf, sie lebten in der Zeit, wo Maria Theresia und Kaiser Josef regiert haben. Beide sind im Jahre 1830 an der Kolera und zwar an einem Tage gestorben, sind in Ragendorf in einem Grabe bestattet worden, haben einen Grabstein, wohin ich jährlich fahre, um die üblichen Gebete zu verrichten. Da ich zur Zeit wo meine Großeltern gestorben, 18 Jahre alt war und mich lebhaft an den Erzählungen, die sie ihren Kindern und Enkel (erzählten erinnere, will ich Einiges davon erwähnen. Unter der Regierung Kaiser Josefs erging der kaiserliche Befehl, daß alle Juden einen Familiennamen annehmen müssen. Da hat sich mein Großvater den Namen Kestler ge«— geben... Die Anzahl seiner Kinder war 12 u. zw. 6 Söhne und 6 Töchter. Mein gottseliger Vater, welcher 1789 geboren ist, war (der Älteste von den Söhnen, er hat Jossel geheißen, und hat sich im Jahre 1809 verheiratet mit meiner Mutter, die Zierl geheißen hat, aus Neutra gebürtig war. Da sie früh verwaist war, isie hatte ihre Eltern garnicht gekannt, ist sie von einem ihrer Verwandten in Kittsee erzogen worden und dort lernte sie mein seliger Vater kennen. — Was meine Eltern anbelangt, haben feelbe stets in glücklicher Ehe gelebt. Mein seliger Vater ist im Jahre 1847 im Alter von 57 Jahren gestorben und wir blieben 8 Geschwister, 4 Söhne und 4 Töchter zurück. Ich war der Zweitgeborene und nach der Aufzeichnung meines sei. Vaters VIX 2 geboren in Ragendori\ das war am 25. Feber 1812. Meine Erziehung war folgende: Es hat zu dieser Zeit besonders auf dem Lande bei den Juden bloß gewisse Rebbes gegeben, welche die Schule aus eigenem Antrieb erhalten [mußten, wo ich und auch mein sei. Bruder Hermann die Schule besuchten. Der Unterricht war ausschließlich Hebräisch, nur wenig deutsch, jedoch haben mich meine Eltern, um mich etwas Deutsch lernen zu lassen in die dazumalige christliche Normalschule geschickt, welche ich bis zu meinem 13. Jahre besuchte und wo ich mir das Nötigste, Schreiben, Lesen und Rechnen angeeignet habe., Nun will ich einige Momente von meinen Jugendjahren erwähnen, die mir noch lebhaft im Gedächtnis sind. Es war im 7

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