Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 13-14 (November 1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahre 1821 als der Erzherzog Carl, Bruder des^- Kaisers Franz und Vater des jetzigen Erzherzog ATbrechts die Güter übernommen hatte von dem früheren Erzherzog Albrecht. Zu jener Zeit war eine solche Übergabe eines der feierlichsten Feste, es waren da sämtliche Gemeinden mit großer Aufwartung anwesend. Da die Ragendorfer Gemeinde die Einzige in dieser Herrschaft (war, hat sich diese Gemeinde mit großem Pomp beteiligt und ihre Aufwartung mit Chuppa und heiligen Reliquien in der sogenannten Marienau, wo der eigentliche Empfang stattfand, gemacht. Da mein seliger Vater auch unter den Vorstehern der Gemeinde Ragendorf -war, hat er mich und meinen seligen Bruder zur Feierlichkeit mitgenommen und wir waren zugegen, wie sich Erzherzog Carl mit seinen 3 Prinzen, die damals noch sehr jung waren — auch der jetzige Erzherzog Albrecht unter ihnen — unter die Chuppe stellten und sich sehr lobend über den Empfang ausgesprochen haben. Eine zweite Angelegenheit, die mir auch aus meiner Jugend so lebhaft in Erinnerung geblieben ist. Im Jahre 1825 war die Krönung der Kaiserin-Mutter, der Kaiserin Carolina, zu welcher uns unser sei. Vater mitgenommen hat, um der Krönung beizuwohnen. Die Krönung wurde in der Domkirche in Preßburg vollzogen. Das war ein doppelt ereignisvoller Tag, da die Kaiserin Carolina die jetzige Schiffbrücke bauen ließ und diese an dem Tag [der Krönung] der Stadt Preßburg als Geschenk übergab, denn bis zu diesem Tage gab es bloß die Fliehbrücke, an welche ich mich noch ganz gut erinnern kann. Zu meinem 13. Geburtstage veranstalteten meine Eltern wie üblich, meine Barmizwa, wo ich nicht nur im Tempel meine Gebete verrichtete, sondern iauch zu Hause eine hebräische Ansprache [vor Festgästen] hielt. . . Nachdem dieses [Fest] geschehen war, mußte man zu ernstem schreiten u. zw. sollte ich mich nun entschließen, welchen Beruf ich wählen werde. Da mein sei. Vater zu dieser Zeit Hausierer in Schnittwaren war und kaum seine Familie mit 8 Kindern ernähren konnte, hatte sich meine sei. Mutter entschlossen, auch mit derselben Ware hausieren zu gehen und ich bin ihr als Gehilfe beigestellt worden. So war ich ein volles Jahr an der Seite meiner sei. Mutter und mein Bruder Hermann wurde in derselben Eigenschaft dem sei. Vater nach Ungarisch Altenburg beigestellt. — Nach dem Verlaufe eines Jahres, sahen wir, daß es für uns Brüder keinem Zweck hatte, mit den Eltern hausieren zu gehen und mein Vater ließ meinen Bruder nach Wieselburg hausieren gehen und hat mich zu sich nach Altenburg genommen um ihm behilflich zu sein, womit ich nicht ganz einverstanden war, daher sagte mir mein Vater, daß ich auf eigene Faust einen Handel betreiben solle, wozu er mir 10 fl. vor streckte. Für dieses Geld kaufte ich mir Bandelkrämerware, machte noch nebstbei Geschäfte, trotzdem ging ich auch noch mit dem Vater hausieren. Nach Verlauf von 3 Monaten ist mir meine ganze Ware, die ich in einem Paket verschnürt hatte, abhanden ge- 8