Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 13-14 (November 1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Moritz Dornbusch. Fragt die Philister, wer Moritz Dornbusch gewesen sei! Ein armer Journalist, ein schwacher Mann, wie ein welkes Blatt hin und her getragen von ehernen Lohngesetzen des Lebens! Kein hervorragender Schriftsteller, kein pfifffiger Gelegenheitshascher, arm gelebt und arm gestorben! Allein die Chronik weiß zu erzählen, daß Moritz Dornbusch zur Avantgarde Zions zählt. Lange. vor Herzi fand eine Sitzung von Zionisten in Wien statt, weiche die erste Weltkonferenz von Zionisten einberufen sollte. Moritz Dornbusch war unter ihnen. Im Winter 1S99 ruft Herzi in Budapest eine von Marcell Hajdu arrangierte Konferenz im Hotel Royal zusammen. Moritz Dornbusch ist dabei. Er isc im Jahre 1858 in Przemysl geboren, besuchte aber die Ivlittelschule und die Jeschiba unter dem Schebet Sofer s. A> m Preß bürg. Er heiratete da die Tochter des Restaurateurs Jerucham Neumann. Er ist Mitredakteur des in Preßburg herausgegebenen, vom Reichstagsabgeordneten Rabbi Simon Schreiber lanzierten ,Jüdischen Weltblattes“. Er unterbricht seine Studien an der Wiener Universität, gibt mit Ehrentheil in Budapest das .Jüdische Volksblatt“ heraus, später die ,,Allgemeine Jüdische Zei- ‘tung“ und endlich die „Ungarische Wochenschrift“. Im Jahrq 1900 redigiert er das offizielle Organ der orthodoxen Kanzlei „Jüdisches Tagblatt“, das 'von Szabolcsi wegen seiner „wildzionistischen“ Haltung angegriffen .wird. Der „Israelit \ das „Hamburger Israelitische Familienblatt“ enthalten manchen Aufsatz von Dornbusch. Mehr als dreißig Jahre lang ist er ein Dornbusch, der im Feuer der Verheißung brennt und sich nicht verzehrt. Er starb In Armut* Aus Mangel an Mitteln verwendete seine Familie die Marmorplatte seines Nachtkästchen als Grabstein. Aber man steht vor dieser Nachtkästchenplatte mit mehr Respekt als Vor den prachtvollen Grabmonumenten der Reichen. Ein nachdenkliches Symbol der Undankbarkeit des jüdischen Volkes gegenüber den Wegbereitern zu seiner besseren, ehrenvolleren Zukunft! Zu diesem Dreigestim der Zionsliebe aus der Pressburger Jeschiba, hat der Tod nun auch den vierten, Rabbi Salamon Aron Wertheimer in Jerusalem gesellt. (Siehe Nekrolog.) 5