Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 11-12 (August 1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 32 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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der N. 2. O. alle jene Tugenden pflegen würde, die wir bei der slowakischen Wizo schmerzlich vermissen. Was wir über den Wiener Kongress denken? Wie heisst es doch bei der Einweihung des zweiten Tempels? Die Jungen jubelten, die Alten aber, die noch den ersten Tempel kannten, haben geweint. Wer aber vermag bei diesem rätselhaften Volke zu prophezeien? Siehe da, aus Jabctinsky dem Legionär entstand der Missionär der religiösen Renaissance des Zionismus. Die Lichtseiten Jabotinskys sind, die Pressunnd Redefreiheit, die er hergestellt hat, und die Überwindung des Sklavengeistes der 2. O. Freiheit ist der Lebensgeist eines Volkes. Der Zio nismus ist der Freiheitskampf des jüdischen Volkes und keine Bodenspekulationsgesellschaft. Welcher Geist hat den Kongress in Luzern beherrscht? Eine Generalversammlung der „Phönix” Versicherungsgesellschaft steht finanziell und moialisch über dem XIX. 7ionistenkongress. Wer von beiden Organisationen die Nachfolgerschaft Herzls bedeutet? Keine der Beiden. Fierzl hat a) jüdischen Nationalismus nur im Judenstaat gewollt, ausserhalb desselben sollte der Jude fugenlos der Nation oder Nationalität angehören, in welcher er lebt, b) hat Herzl die Eroberung Palästinas durch Erwerbung von Privatbesitz als eine unreife Politik verworfen, c) hat Fierzl niemals gegen den Antisemitismus/ gekämpft, niemals Proteste ersammlungen oder Boykotte an geordnet, d) Herzl war von einem biblischen Pazifismus beseelt. Sein siebenjähriges Wirken war diktiert vom Propheten worte: Nicht mit Heeresmacht, nicht durch Gewalt, sondern in Meinem Geist, spricht der Herr Zebaoth! Presseemp£ang bei Minister Ludwig Minister Ludwig und Legat ionsrat Schmiedl empfingen am ic. Sept. nachmittags die Vertreter der Presse, die aus der ganzen Welt zum Kongress der N. Z. O. nach Wien gekommen sind, in den Räumen des Hotel Imperial, um ihnen die Sympathie der Regierung zum Ausdruck zu bringen. Er sprach unter anderem folgende Begrüssungsworte: „Im Namen des Bundespressedienstes begrüsse ich Sie auf das herzlichste. Ich weiss, dass Sic bei einer schweren Arbeit sind und von mir heute darin gestört wurden. Ich will zu Ihnen ein wenig über das Land sprechen, in welchem Sie sich jetzt befinden und über das in der jüngsten Vergangenheit sehr viel geschrieben wurde. Bezüglich unserer Haltung Ihnen gegenüber, ist wohl der beste Beweis unserer Einstellung, die Tatsache Ihrer heutigen Einladung. Man sagt von uns, dass wir autoritär eingestellt sind, ja wir sind autoritär, aber in dem Sinne, dass wir unter dem Begriffe die Zusammenfassung aller positiven Kräfte zum Aufbau Österreichs verstehen,wobei die individuelle Freiheit jeder voll geniessen soll. Wir verstehen unter autoritär nicht die Unterdrückung des einzelnen, sondern Freiheit und Unabhängigkeit in unserem Vaterland. Wir haben bewegte Zeiten hinter uns, aber wir besitzen keine Konzentrationslager, wir haben nur A n h a 1 te- 1 a g e r, in denen niemand zur Arbeit gezwungen wurde; aber auch diese sind schon fast geräumt und wir trachten, auch mit unseren ehemaligen politischen Gegnern eine Basis für ein gedeihliches Zusammenleben zu finden. Momentan arbeiten wir an der Ausarbeitung der ständischen Verfassung. Diese mag vielleicht einigen von Ihnen fremd erscheinen, aber bei uns ist sie eine historische Erscheinung. Wir haben nur dort angeknüpft, wo wir vor dem Krieg abgebrochen haben. Unsere Wirtschaftslage wurde erweitert und wir dürfen heute schon auf hübsche Resultate zurückblicken. Ich betone nochmals, dass ich mich sehr freue und mich glücklich fühle, Sie hier begriissen zu können, und wünsche Ihnen nur, dass der Kongress zu Ihrer Zufriedenheit verläuft und Sie Ihrem hohen Ziel näherbringt. Wenn