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Judaica · 1935-08-01 · 11-12 (August 1935) · p. Seite 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
2 (1935)
Issue
11-12 (August 1935)
Date
1935-08-01
Page
Seite 33 (sequence 35)
Language
German
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Sie schon hier sind, schauen Sie sich Land und Leute an, damit Sie meine Worte, die Ihnen als offiziös nicht unbedingt glaubenswert erscheinen, bestätigt finden, und seien Sie uns weiter behilflich in der Arbeit, den Frieden Europas zu erhalten.” Samuel Bettelhcim dankt im Namen der Presse für den liebenswürdigen Empfang. Nicht die Regierungsform sei das Wesentlichste, sondern der Geist und Charakter des Volkes. Wien war und ist die Lieblingsstadt des Judentumes. In dem machtvollen Zuge der Millionen von Ost und West bildete Wien die erste Etappe, hunderttausende von amerikanischen Juden denken an ihre Wiener Zeit mit Seligkeit zurück. Hier hat Theodor Herzl, einer der strahlendsten Persönlichkeiten der Menschheit, die Fackel jüdischer Freiheit entzündet. Mit seinem Grabe besitzt Wien ein Unterpfand der Liebe des Judentums zu dieser wundersamen Metropole. Er danke nochmals für die bestrickend liebenswürdige Gastfreundschaft seitens der Behörden und der Bevölkerung. Hierauf lud der Minister die Gäste zum Tee, bei welchem ein anregender Gedankenaustausch stattgefunden hat. Landesversammlung der Orthodoxen in Ungarn. Der am 19.—21. .August stattgehabte Landeskongress der orthodoxen Juden Ungarns hat ein neues Organisationsstatut beschlossen, welches das Bestreben der Orthodoxie nach Autonomie um einen Schritt weiter bringt. Zum besseren Verständnis für die Allgemeinheit sei die Geschichte der Orthodoxie hier flüchtig skizziert. Nach dem öst.-ung. Ausgleiche im Jahre 1867 nahm der Unterrichtsminister Baron Eör.vös die Regelung der jüdischen Angelegenheit in Angriff. Er berief Ende 1868 den jüdischen Landeskongress zusammen, der die einheitliche Verfassung des Judentumes schaffen sollte. Der orthodoxe Flügel sah in dem vorgelegten Organisationsstatut einen Gewissenszwang und setzte demselben heftigen Wider stand entgegen, selbst dann, als dieses Kongresstatut vom Parlamente zur Gesetzeskraft erhoben wurde. Der ungeahnte Widerstand der sonst so loyalen Orthodoxie erzwang im Jahre 1871 eine königl. Verordnung, die den Orthodoxen eine gewisse Autonomie innerhalb der Kongressorganisation gewährte, mit deren Vertretung die sogenannte „Durchführungskommission” betraut wurde. Der I. Präsident der orthod. Kommission war Marum Trebitsch, ihm folgte Ignatz Reich und im Jahre 1896 Rabbi Leopold Lipschitz Im Jahre 1906 gelang es dem Präsidenten Adolf Frankl eine grössere Selbständigkeit zu erlangen, die „Zentralkanzlei der Orthodoxen-Konfession” zu schaffen. Unter dem Regime des Ministerpräsidenten Graf Bethlen wurde der Orthodoxie ein eigener Vertreter im Oberhaus konzediert. Das nunmehr beschlossene Statut sichert die Festigung des orth. Geistes, damit, dass die führenden Stellen der Orthodoxie nur glaubenstreue Männer bekleiden dürfen und durch den Paragraphen, dass die Zentrale das Recht habe, Gemeinden, die gegen den orthodoxen Geist sündigen, auszuschliessen. Die unter dem Vorsitze des Präses Samuel Kahane- Frankl stattgehabte Landesversammlung verfloss in Harmonie, das vorgelegte Statut wurde angenommen. Oberregierungsrat Dr. Ignatz Friedmann-Budapest hat jüngstens das Archiv der Pressburger orthodoxen Gemeinde besucht und die Anregung gegeben, ein Komitee für jüdische Geschichte und Archivwesen zu gründen, das aus der Slovakei stammenden Juden aller Länder gebildet würde und die Mittel aufbringen wrürde, das Pressburger Gemeindearchiv, das ja die eigentliche Geschichte des Judentumes der Slowakei, Ungarns und Neu-Rumäniens enthält, wissenschaftlich zu verwerten. Dr. Ignatz Friedmann, Rechtskonsulent der tschechoslowakischen Gesandschaft in Budapest stammt aus Tapolcany, hat seine Studien in Pressburg begonnen. Seine Sammlung jüdischer Antiquitäten, besonders jüdischer Kunstgegenstände bildet ein kleines Museum. Er besitzt daher sowohl volles Verständnis für die Wichtigkeit unserer Bemühung als auch die Möglichkeit unserer Sache durch seine grossen Verbindungen zu dienen. Chatam Sofer - Centenarium. Herr Rabbiner Dr. Frieder-Zvolen teilt uns mit, dass er, angeregt von dem letzten Artikel der Judaica eine Biographie des Chatam Sofers in slovakischer Sprache vorbereitet. Gegenwärtig arbeitet Rabbiner Dr. Frieder an einer Ge- 83

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