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Judaica · 1935-08-01 · 11-12 (August 1935) · p. Seite 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
2 (1935)
Issue
11-12 (August 1935)
Date
1935-08-01
Page
Seite 30 (sequence 32)
Language
German
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Die Gegenwart Oberrabbiner Josef« Duschinsky-Jerusalem In dieser Zeit der Streberei, der Selbstreklame und Stellenjägerei ist cs ein erlösender Triumph der guten Sache, dass sich eine wahre Grösse, die alle diese Mittel und Mittelchen verachtet hat, die man „heutzutage” nicht entbehren kann, um aufkommen zu können, aus den bescheidenen Anfängen eines Pressburger Jeschibahörers erhebt von Flöhe zur Höhe, um die idealste Mission zu erlangen, in der Heiligen Stadt Gottes Wort in seiner ursprünglichen Pveinheit lehren und betätigen zu können in der gloriosen Zeit der Auferstehung Zions. Es gereicht nicht allein ihm, sondern denen zur Ehre, die ihn erkannt und gewürdigt und erwählt haben, es gibt uns den Glauben an den Sieg des Guten wieder, wenn wir den Uneigennützigsten, Bescheidensten zur höchsten Spitze erhoben sehen. Von der Grösse seines Charakters und hehren Lebensweise sei hier nichts gesagt. Rezono sei adam seuh kebodo! Es ist gegen seinen Willen, glorifiziert zu werden. Es sei nur der Wunsch ausgedrückt, dass die Fluid des Herrn über sein Amtswalten in solch verhängnisschwerer Zeit ruhen möge! Auf der Rückkehr von seiner Badereise hat der Oberrabbiner Josef Ch. Duschinsky sich in Pressburg aufgehalten. Seine Schüler und Verehrer haben ihm einen Empfangsabend bereitet, an welchem der Meister eine eindrucksvolle Rede gehalten hat. Wir hatten eine längere Unterredung mit dem ge feierten Raw über alle Fragen Erez Israels und unser Judentum. Zum Schluss bemerkte Oberrab. Duschinsky „Programatisches lässt sich in diesem Zustande des Werdens und Gährens nicht sagen. Es ist aber erfreulich, dass das Religionsjudentum eine steigende Wertschätzung sowohl bei der Behörde als bei den Zionisten findet. Und jeder Jude, den es nach Erez Israel zieht, ist ja ein Diamant, gegenwärtig oft noch ein ungeschliffener. Aber in Erez Jsrael werden sie geschliffen werden/'* Der Wiener Kongress der N. Z. O. Ein traumhaftes Bild, so unwirklich und zeitentrückt, dass man sich stets erinnern musste, dass man an dem Pressetische eines nationalen Kongresses sitze und nicht im Parterre eines Schauspielhauses einem Drama %,Der Bar-Kochba des XX. Jahrhunderts” beiwohnend. Gar als der Oberrab. Djain mit dem langen wohlgepflegten weissen Barte seine Hände segnend auf das Haupt des zum Volksfürsten erkürten Wladimir Jabotinsky legt, umtost von der extatischen Kongressmasse! Aber nein! dieses pathetische Schlusstableau, das Samuel und Saul, oder Rabbi Akiba und Bar Kochba darstellen soll, ist nicht das Ende eines Bühnenstückes, sondern der Prolog eines Heldengedichtes, das sich erst entwickeln soll. Ohne jedes Kompromiss mit der Umwelt will Jabotinsky's Lager aus seinem jüdischen Volkstum die letzten Konsequenzen ziehen, ein einziges Volk mit eigenen Führern und Gesetzen auch im Galuth sein, und die historische Rekonstruktion des jüdischen Volkes auf dem Boden seiner Väter im vollsten Umfange fordern. Die unfreundlichste Kritik kann nicht an der Tatsache ändern, dass Wladimir Jabotinsky eingezogen ist in das Pantheon der „Träumer des Ghetthos’” , mag er nun sein Volk zum Heile oder Unheile führen. Den Verlauf des alten und des neuen zionistischen Kongresses setzen wir als bekannt voraus. Sowohl in Luzern als in Wien hing je ein grosses gutgemeintes aber schlecht gemachtes Herzl-Bild 30

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