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Judaica · 1935-08-01 · 11-12 (August 1935) · p. Seite 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
2 (1935)
Issue
11-12 (August 1935)
Date
1935-08-01
Page
Seite 29 (sequence 31)
Language
German
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völlige Abgeschlossenheit — das heißt Harmonie eines Geistes ist meiner Überzeugung nach das einzig mögliche Glück auf Erden, und dies ließe sich erreichen durch völlige Isoliertheit des Individiums. Wonach strebe ich, was will ich, und was tue ich? Ich werde Doktor, werde in eine Stellung gelangen, wo ich Geld verdienen kann, dann w erde ich „ein gemachter Mann" sein, der seinen anständigen Platz in der — — Gesellschaft einnimmt, dann werde ich vielleicht berühmt und Narren, die mich nie Verstanden, werden mich nennen, und kennen, dann werden viele mich auf der Straße grüßen, — welches Bild! Zuhause schöne Zimmer, Mittags ausgezeichnetes Essen, auf der Straße grüßen die Leute, nadhblickende Verehrer, lächelnde Große, in den Zeitungen und Büchern ein gepriesener Name. — — — Und das ist Alles? )Das ist Alles? Wer ist verächtlicher, eine Welt, die einen Menschen von Kopf und Herz zwängen kann, dergleichen anzustreben, oder ein Mensch von Kopf und Herz der sich von der Welt zwingen läßt, nach einem solchen Ziele hinzuarbeiten? Ich erscheine mir sehr verächtlich, und habe oft Lust allen Kram zum Fenster hinauszuwerfen meinen . . . um die Schultern zu nehmen und' mit einem Stock in der Hand mich von Dorf zu Dorf bis Hamburg zu betteln,,/ um dort irgend eine Gelegenheit auszusuchen, die mich nach Neuseeland oder Ceylon brächte, wo man noch von Waldfrüchten und ohne Kleider leben kann, ohne in Verkehr mit der übrigen Welt treten zu müssen. Freilich genügte es, die Namen Näci — Lotti — zu nennen, um diese transmarine Sehnsucht in nichts zu bannen, aber das will ich nicht leugnen, daß diese Vorstellung sehr viel Verlockendes hat und man sich mit aller Mühe wehren muß, um nicht in sie zu verfallen. Sagen Sie Näci, sind solche Gedanken Symptome von Gesundheit oder Krankheit? Ist eine Seele gesund, die so denkt, und sind andere krank, die ihr Glück im Zusammensein und in der Erwerbung des Verächtlichen suchen und finden, oder bin ich der Kranke, und sind alle anderen gesund? Mag ich nun der kranke, oder gesunde sein, soviel weiß ich, daß jene in ihrer Kleinheit viel glücklicher sind, als ich. Näci, ist Ihnen auch so kalt? Wissen Sie, daß ich noch ein großstück Jude bin? Jetzt kommen die Selichot-Tage, da steht man früh auf und geht mit großen Shawls und Talesbeutel in den Tempel, dann kommt Rausch-Haschono, und die Juden gratulieren sich jüdisch. Leben Sie wrohl. Ich muß bald von Ihnen hören. — Simi. Zu Ignatz Wilhelm Back. In dessen Biographie wird nach einer mündlichen Information mit Vorbehalt notiert, daß der Name der böhmischen Gemeinde, in welcher B. als Rabbiner wirkte, Posteiberg gewesen sei. In der Tat war es die Gemeinde Amschelberg. Der Titel -seiner Zeitschrift war: „Der Beobachter für jüdische Z u s t ä n d e“ (nicht „für jüdische Interessen”). 29

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