Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 11-12 (August 1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 27 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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★ Geburtsstätte MAX NORDAUS BUDAPEST Ecke Sip*u. 21 und WesselenyUu. 16, gegenüber der Geburtsstätte THEODOR HERZLS ★ Unbekannte Briefe Max Nordaus*) ii. Theurster Näci! Räkoskeresztur, den 4. Sept. 1867. Das Jahr wird alt und immer älter; heute ist der erste Tag, an welchem ein recht rauher unfreundlicher Wind daran mahnt, daß die schöne sonnige Sommerszeit nun schon zu Ende ist. Ade Sonnenschein, ade Vogelgezwitscher und erquickende Morgenluft und träumerisches Abenddunkeln, nun kommt der Herbst und dann ist’s kühl und die Natur sieht einen feindlich an. Ich weiß nicht, warum mich der heutige Tag so gar traurig stimmt! Der Hund da draußen, der sich zusammenrollt und die Schnauze seitwärts zwischen den Beinen vergräbt, die Fliege, die da erstarrt an dem Fenster klebt, der Vogel, der ernst auf dem Baume vor dem Hause steht und trübselig zur Sonne schaut sind mir eine [Reihe von Bildern, die in ihrer Melankolie mich weinen machen könnten. Wie doch der Mensch mit jeder Faser seiner Seele an die Natur geknüpft ist! Wie? er doch jede der großen Veränderungen da draußen bis ins Innerste seines Gemütes empfindet! Wie jede der Bewegungen, die bedeutenden Umgestaltungen der Natur hervorbringen, doch in unseren Herzen nachzittert! Ebenso erhoben und angeman sich vom Frühlinge fühlt, ebenso niederdrückend und herabstimmend wirkt auf den Einsamen das Nahen des Herbstes. Wie traurig steht es um die Unabhängigkeit der Seele, wenn ®) Dieser Brief befindet sich im Besitze des Budapester Fabrikanten Alfred Südfeld, dem Neffen Nordaus. — Näci ist ein Jugendfreund Nordaus. 27