Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 11-12 (August 1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 26 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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drei12) Jahre lang Eigentümer der stattlichen Wiener Zinshäuser. Erst am 18. Dezember 1825 wurden sie verkauft. Die Käufer waren die Brüder Samuel Augustin und Ignatz Ritter von Neuwall, zwei getaufte Juden Preßburger Herkunft de genere Leidersdorf. Es ist nicht ohne Reiz, den Wegen des Goldstromes nachzugehen, der sich nun in die armen Judengassen ergoß. Das der Mutter des Erblassers zugekommene Geld hat auch teilweise seinen Weg nach Eisenstadt zu ihrer Schwester Francisca Wolf1-5) gefunden, wo es nutzbringend für Wohltätigkeit und nutzbringender für soziale Hilfe verwendet, zahlreiche Existenzen begründen und erhalten geholfen hat. Dasselbe gilt von dem Golde, das teilweise nach Rechnitiz gelangt ist; noch lange rühmte man das gemeinnützige und wohltätige Verhalten der Familie Guttmann (vgl. Ben Chananjah VII pag. 406, VII pag. 761) die später in Preßburg lebte. Den Löwenanteil aber erhielt Preßburg. Hier lebten und wirkten Moses Bettelheim und Wolf Pappenheim, die das ihnen nun zur Verfügung stehende, gewaltige Vermögen in großzügiger Weise für wohltätige und gemeinnützige Zwecke verwendeten. Sie und manche ihrer Nachkommen haben mit Hilfe dieses Geldes Preßburgs berühmte Talmudhochschule nicht nur finanziell erhalten, sondern auch gegen die Bestrebung, ihre Schließung herbeizuführen, eine kostspielige Gegenpropaganda betrieben. Als im Jahre 1868 der ungarisch-jüdische Landeskongreß unter heftigen Kämpfen zwischen Anhängern des Althergebrachten und Freunden der Reform tagte, standen sie auf Seite der ersteren, als Vorkämpfer für die Erhaltung des traditionellen Judentums und Führer der neuerstarkenden Orthodoxie. Klingt es nicht märchenhaft, daß alle diese Bestrebungen, die auf die Erhaltung des Judentums hinzielten, letzten Endes durch die Erbschaft des Täuflings ermöglicht wurden? 12) Josef Hye Edler von Hyeberg, geb. 16. III. 1777, gest. Oderdochling 30. III. 1S51; Dr. iur., k. k. Gerichts- und Hofkriegsadvokat, k. k. oeffentlicher beeideter Notar, Dekan der juristischen Fakultät. Seine Tochter Marie v. Hye (1806—1842) heiratete 1835 ihren Verwandten Anton Freiherrn Hye v. Gluneck, nachmaligen Rektor der Wiener Universität und österreichischen Justizminister. Seine reichhaltige Büchersammlung. — 7000 juristische Bücher — wurde von der Universitäts Bibliothek in Jerusalem erworben. Die von diesem Institut herausgegebene Zeitschrift Kirjath Sefer meldet in ihrem 2. Jahrgang pag. 162 in dürren Worten, dass die Bibliothek des „Herrn Hye*': erworben worden ist. Wenn schon der Freiherrnstand des Vorbesitzers nicht erwähnt wird, so hätte doch mindestens der Vorname und das unterscheidende Prädikat „Gluneck” nicht weggelassen werden dürfen. Es wäre auch zu erwähnen, dass die Bücher, die nun die Jerusalemer Bibliothek bereichern, einst dem bedeutenden Rechtsgelehrten und einem Justizminister Österreichs gehört haben. 13) Francisca Frummet Brilin ("1773—1869) war die Gattin des Joarhim Wolf. (Vgl. Wachstein, Eisenstädter Grabschriften Nr. 867,) 26