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Judaica · 1935-08-01 · 11-12 (August 1935) · p. Seite 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
2 (1935)
Issue
11-12 (August 1935)
Date
1935-08-01
Page
Seite 22 (sequence 24)
Language
German
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ersuchter Zeuge. — Vincenz Kern, k. k. wirklicher Leibchirurg und Professor als Zeuge. — Leopold Nathan, Magister chirurgiae, als ersuchter Testamentszeuge. — Johann Gassner, der Chirurgie und Geburtshilfe Magister, Operateur und Primarchirurg des k. k. allgemeinen Krankenhauses, als ersuchter Zeuge. Dieses am 13. dieses offen zu Gericht gebrachte und von Amtswegen kundgemachte mündliche Testament aufzubehalten und von selben auf Verlangen Abschriften zu ertheilen. Vom Wiener Magistrat den 14. März 1822. Das in Österreich damals schon in Geltung gestandene allgemeine bürgerliche Gesetzbuch erlaubt unter gewissen Umständen ein mündliches Testament. Von dieser Erlaubnis wurde hier, wie sich aus der Vergleichung der Zeitangaben ergibt, eine halbe Stunde vor dem Ableben Gebrauch gemacht. Die ungewöhnlich große Anzahl von 6 Zeugen, die zugezogen wurden, erklärt sich daraus, daß drei der Zeugen, der Rechtsberater und zwei Ärzte, im Testamente bedacht sind und für sich selbst keine gütigen Zeugen sein konnten. Karoline Calman, die Gattin des Verstorbenen, wird im Testament mit keinem Worte erwähnt und mit keinem Kreuzer bedacht. Die Ehe war schon lange in Brüche gegangen, der Ehescheidungsvertrag am 14. August 1819 abgeschlossen. In diesem Vertrage hatte Anton Calman seiner Gattin eine lebenslängliche jährliche Sustentation von 2400 fl. zugesichert und das Dekkungskapital von 48.000 fl. auf sein Haus Nr. 457 als Hypothek eintragen lassen. Am 26. März 1822 wurde mit Karoline Calman ein Vergleich geschlossen, dem Zufolge die Erben sich verpflichteten binnen 8 Tagen 20.000 fl. bar auszuzahlen und ihre bisherige Jahresrente von 2400 fl. auf 5000 fl. zu erhöhen. Die chronique scandaleuse des alten französischen Wien wußte zu erzählen, daß Karoline Calman geb. von Gassner seit langem die Geliebte eines Grafen von S. gewesen sei., Die, Tatsache., daß sie, die am 4. März 1831 im Alter von 56 Jahren in Wien starb, den Grafen von S. zum Universalerben ihres Vermögens einsetzte, bestätigt dieses Gerücht. Ihrem Wunsche entsprechend wurde sie neben ihrem Gatten Anton Calman am Matzleinsdorf er Friedhof beigesetzt.1) Mittlerweile wurde den Erben auf getragen, Geburtsdokumente vorzulegen. In Preßburg war es in der damaligen Zeit unmöglich, sich Personaldokumente, die sich auf ordentliche Matrikelbücher stützten, zu erhalten: Man half sich dazumal im Bedarfsfälle derart, daß man das beschworene Zeugnis zweier J) Ihr gesamtes Nachlassvermögen betrug 9644 fl., davon Preziosen 4133 fl., Leibskleidung und Wäsche 476 fl., Wohnungseinrichtung und Hauswäsche 3925 fl., Pferde und Wagen 1110 fl., Die auffallende hohe Ziffer von 3925 fl., erklärt sich aus dem Umstand, dass die kinderlose, verwittv/ete Rentierin eine Neun zimmerwohnung im Hause No. 766 innehatte. Der Wert des Mobilars verteilt sich folgendermassen auf die einzelnen Zimmer: 200, 240, 760, 940, 80, 220, 160, 265, 60. Dazu kommen noch die Posten von 55 fl. für das Dienstbotenzimnier, von 25 fl. für das Vorzimmer, von 740 fl. für die Küche und von 150 fl. für Hauswäsche. 22

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