Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 11-12 (August 1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 2 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2708078-2708082-2708086--215-2708335- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
linges Vertrauen, er verwehrte ihm das weltliche Studium nicht, sondern bat ihn, es nicht öffientlich zu betrüben, Im Alter von 23 Jahren wird Selig L*e;b Schick zum Rabbiner von Sered gewählt, als Nachfolger seines Schwähers Rabbi Jakob Pollak. Er, d'er Autodidakt, genießt da bereits einen w'eit übier die Grenzen seines Landes dringenden Ruf als in der alten und modernen jüdischen Wissenschaft wohlbewanderten Gelehrten. Seine Arbeiten in ausländischen Blättern impionieren durch ihr profundes Wissen und den brillanten deutschen Styl. Ihm winkt 'eine* der schönsten rabbinerischen Karrieren. Die Prager Gemeinde; erwägt seine Berufung! Allein der Preßburger Obprrabbinjer Ketab Sofer s. A., der Sohn meines Meisters, kann d'er Prager Gemeinde nicht die gewünschte Empfehlung geben. Das wirkt auch ungünstig auf seine; Stellung in Sered zurück, zumal Rabbi Selig Schick kein Hehl von seiner kossuthianischer Gesinnung macht. Er, dessen Feuergidst nicht den engen Horizont einer Provinzstadt zu ertragen vermag, kehrt in seine Vaterstadt zurück und wählt den freien Beruf des Kaufmannes. Im Jahre 1848, nach den Judenexcessen am 7. Pbssachtage, gründet e;r zusammen mit dem Buchhändler Philipp Korn (später Hauptmann in der Kossutharmeei) das Büro für Auswanderung der Juden nach Amerika, das etwa ein Dutzend jüdischer Familien übe;r den Ozean transportierte, aber bald s!ein.e Tätigkeit eingestellt hat. Ein Sohn des berühmten Trebitscher Rabbiners Ch. J. Pollak, der um 1849 die Preßburger Jeschiba besucht hat, sendet seinem Vater sehr interessante Berichte über die Zustände in Preßburg. Er rühmt Selig L’eb Schick, bemerkt aber, daß man ihn gewarnt hätte, sich nicht mit Selig Leb Schick zu befreunden, da dieser von der Poliz'ei wegen seiner freiheitlichen Gesinnung beobachtet werde. (PubHziert von Dr. B. Wachstein.) Besondere Sorgfalt wendete Schick der Primärschule1 zu, wo 'er — ohne Entgelt — Religionsunterricht erteilt hat. Aus der „Allgern. Zeit. de;s Judpntumes“ erfahren wir, daß Selig Leb Schick jährlich einige Wochen hindurch 18 Talmudjünger aus 'eigenen Mitteln verpflegt hat und auch sonst gerne Werke der Menschenliebe ausgeübt hat. Dem Gemeindepräsidenten Kalman Pappenheim erwächst in Schick 'ein furchtbarer GegnPir. Dieser gründet im Jahre 1861 die „Liberale Kommission für Überwachung und Regulierung der Angelegenheiten der Kultusgemeinde“ und greift Pappenh'eims Regime in Wort in Schrift heftig an. Seine Partei wendet sich mit ihren Anklagen auch an die; Behörde, die aber mehr den Strengorthodoxie;n zuneigt., Dieser Kampf, der besondere Darstellung verdient, endet mit dem Siege der Pappfenhpimv-Partei. Nach dem 1868-er isr. Landeskongresse in Pest, wo die Spaltung zwischen Orthodoxen und Neologie eintrat, wird Schick Führer des neologe.n Distriktskomitees. Doch die Orthodoxie dringt Sielbst gegen die von der Regierung bestä- 2