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Judaica · 1935-06-01 · 9-10 (Juni 1935) · p. Seite 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
2 (1935)
Issue
9-10 (Juni 1935)
Date
1935-06-01
Page
Seite 33 (sequence 37)
Language
German
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Nekrologe Dr, Samuel Schlesinger. Am 23. Mai starb nach längerem Leiden der hiesige Pvechtsanv alt Dr. Samuel Schi esinger im 56. Jahre seines Leben:. Mit diesem Bilde steigt die Erinnerung an die berauschende Frühlingszeit des Zionismus in Pressburg auf, dessen flammenzimgiger Apostel der damalige Rechtsakademiker Samuel Schlesinger war. Das war zu jener Zeit, ah Armin Vamberv ausrief: „Wie erhaben ist diese Bewegung, für welche Jedermann nur Opfer bringt, ohne etwas für sich zu erlangen!” Samuel Schlesinger entstammte einer der ältesten und berühmtesten jüdischen Familien Mitteleuropas, deren Mitglieder einflussreiche kaiserliche Hoffaktoren und grosse Lumen in Israel gewesen sind. Sein Grossvater war der berühmte Bösinger Rabbi und Autor Isr. Dav. Schlesinger. Mütterlicherseits stammt er von R. Pinchas Kohn, dem Nestor der Pressburger Kolonie in Erez Israel. Wie tausende Andere hat die echtjüdische Erziehung, die aus seiner edlen Abstammung diktierte Dienstpflicht fürs Judentum, die Familienbande, die ihn mit Erez Israel verbanden, in den unholden Formen des damaligen jüdischen Lebens keine Möglichkeit der Betätigung gefunden. Für diese Zehntausende kam Herzl als Erlöser vom sittlichen Galuth, und die lange zurückgedämmte Begeisterung und tätige Liebe für d.e uralten Ideale seines Stammes brachen mit elementarer Kraft aus und teilten sich auf die hingerissenen Hörer mit. Das Bild projiziert sich scharf in unserer Erinnerung, die erste grosse Makkabäerfeier anno 1899. Die Wand schmücken zwei grosse I.itographien, des russischen Rabbiners Samuel Mohilewer und des Pariser freigeistigen Schriftstellers Max Nordens, ein Symbol des wiedergeeinigten Israels. Die Versammlung selbst war das erste frohe Fest der Vereinigung des Judentums. Orthodoxe und Neologen, Bachurim und Rechtsakademiker, West- und Ostjude, Arm und Reich bildeten einen Bruderbund. Herzl war noch da und nahe! Der Frömmste der Frommen eröffnete mit flammender gottbegeisterter Rede. Es folgt die grosse Rede des Führers. Fr streckt gegen die brennende Menorah die Hand zum Gelöbnis aus: „Hanerot halolu kodesch hen, ween lanu reschut lehischtamesch bähen!” — Diese Lichter sind heilig, wir dürfen sie niemals für uns selbst benützen! Rabbinatsschüler David Deutsch, zündender Redner in hebräischer, deutscher und ungarischer Sprache, nun längst Farmer in Erez Israel, verschafft seinem verkannten Stande Hochachtung. Es folgt der Rechtsakademiker. Überrascht horcht das empfängliche Publikum auf. Geist, hoher Verstand, durch Generationen durchgezüchtete Erkenntnis der jüdischen Mission, wahre Bildung und rhetorisches Genie spiegeln sich in der machtvollen Apostrophe des jungen Juristen. Er hat oald Pressburg verlassen, seine Studien m Klausenburg beendet, worauf er sich in Pressburg als Rechtsanwalt niedergelassen hat. Es hat der Vorsehung gefallen, diese brillante Seele zu sich zu nehmen, lange bevor ihr der Leib gefolgt ist. An >einem Grabe, das nicht vergessen werden wird, sprach Rabbi Unzdorfer in bewegter und bewegender Weise. Dr. Schmarja Lewin. Einer der markanten Figuren aus dem historischen Gemälde des Herzlskongresses ist wieder unseren Augen entschwunden. Es sei hier nichts wiederholt, was in den zahlreichen und ausführlichen Nekrolog;en enthalten ist. Seine höchste Bedeutung lag in seiner Kunst als Maggid und in seiner erst in den letzten Jahren begonnenen kulturhistorisch wichtigen Schilderung des Milieus, in 88

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