Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 9-10 (Juni 1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 32 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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voller Rede. Der Festredner war Vorstandsmitglied der Wiener Kultusgemeinde Dr. O. Grünbaum. Patai sprach hebräisch. Er stellte sehr richtig dar, dass Herzl garnicht — wie so oft behauptet wrird — in assimilatorischen Kreisen aufgewachsen ist. Frl. Hollan trug Stellen aus Patais Herzlbuch vor. Gesänge des zionistischen Mannerchores umrahmten die eindrucksvolle Feier. Alfred Tolnai — 50 Jahre. Ein Jubiläum soll der Bilanzstrich sein, der die Gesellschaft an ihre Schuld an den Jubilanten macht. Die reiche literarische Tätigkeit des nun Fünfzigjährigen ist. auch ein solches Saldo, den die Gesellschaft noch nicht ganz beglichen hat. Alfred Tolnai ist im Jahre 1885 in Budapest als Sohn des Direktors der Anglobank Ludwig Schwarz geboren. Sein Religionslehrer war unser Altmeister Moritz Fenyes. Als Siebzehnjähriger gewann er den Preis der Ungar. 'Israel. Litenturgesellschaft mit seiner Novelle „Der Renegat”. Im Jahre 1906 trat er in die Pressburger Filiale der LTng. Kreditbank ein und avancierte bis zum Direktor der nunmehrigen Slovakischen Kreditbank. Seine Kunst ist daher nie nach Brot gegangen und trägt auch das feine Gepräge idealistischer Lebensauffassung. Im Kriege, der ihn zum ersten Male mit dem Ostjudentnm und dem Klein Judentum zusammenführte, lernt und lehrt er dieses Milieu kennen. Die feinen Zeichnungen aus dem Leben dieser Schichten des Judentums, die in verschiedenen Blättern erschienen sind, sind im vorigen Jahre in einem Bande (enthaltend 46 Novellen) unter dem Titel „Poltarak der Held” herausgegeben worden. Weite Verbreitung hat sein ungarisch geschriebenes Buch „Dreyfus” (1932) gefunden. — Die Erzählung „Symphonia Judaica”, die als Zeitungsfeuilleton viel Aufmerksamkeit erregt hat, ist nun in Buchform erschienen. Er arbeitet an einer Meyerbeer-Biographie und hat ein CHaluz-Drama fertiggestellt. 25. Jubiläum des Ahawat-Zion-Vereines. Die „Ung. Jüd. Zeitung” vom 27. Mai 1910 meldet kurz: Das königl. ung. Ministerium des Innern hat die Statuten des Ahawat-Zion-Vereines unter Zahl 5046/1909 sanktioniert. Die ungarische Regierung hat vorher und nachher bis zum Jahre 1927 es abgelehnt, zionistische Statuten zu genehmigen, hat aber der Bewegung ihren Lauf lassen. Die ausnahmsweise Genehmigung der Ahawat-Zion-Statuten geschah durch Vermittlung des damals sehr einflussreichen Staatsmannes Alexand. v. Hollan. Nach einer Besprechung des Redakteurs der „Ung. Jüd. Zeitung” mit dem Staatssekretär des Innenministeriums wurden die Statuten aussertourlich sofort mit der Genehmigungsklausel versehen und dem Redakteur persönlich übergeben. Es wäre auch damals möglich gewesen, für die Statuten der Landesorganisation die Sanktion zu erreichen. Die Legalisierung des Zion- Vereines diente auch zur Einheitlichkeit des Zionismus in Pressburg. Der Anawat-Zion-Verein umfasste den hebräischen Sprachverein der Jeschiba „Chowewe Sfas Ewer”, den Selbsthilfsverein der Bas^vurim „Misasrim”, den Verein der RcÄtsakademiker „Makkabäer”, die Zeire Zion, Paole Zion und Sportklub „Makkabäa”. Im Statut ist der religiöse Charakter des Ahawat-Zion-Vereines festgelegt. Frauen haben mit Rücksicht auf die Strengkonservativen nur aktives Wahlrecht gehabt. Zwei oder mehrere Mitglieder einer Familie konnten nicht in die Leitung gewählt werden. Der Verein stand in persönlichem Kontakt mit Herzl, der den Ahawat-Zion-Verein sein Leibregiment genannt hat. Gegenwärtig tut dieser historische Verein Alles. was ein Gräuel in den Augen Herzls gewesen ist. Prof. Julius Aiänyi — 60 Jahre alt. Eine gute, enthusiastische Natur, die sich für alles Schone und Edle begeistert. In der guten Kehilla Mako 1875 geboren, studierte er in Budapest an der Universität und am Polytechnikum und war schon mit 22 Jahren ordent» lieber Professor an der Handelsschule in Dolni Kubyn (Alsö-Kubin), an derselben Schule, wo Prof. Adolf Szilagyi leidenschaftlicher und opferfreudiger Propagandist des Zionismus im Oberland ist. Im Jahre 1908 wird Aranyi nach Bratislava berufen. Er ist Gerichtsexperte für Geldwirtschaft. Die Zahl seiner Aufsätze und Werke über Geldwirr.schaft sind Legion. Er schafft noch immer in erstaunlicher Fülle Aufsätze über Geldwirtschaft für verschiedene Blätter. Ad multos annos! Wegen Raummangel mussten viele Beiträge und Besprechungen zurückgestellt werden. 32