Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 9-10 (Juni 1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 30 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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- Elijah 1× ep/1004307
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Heinrich L. Oebler In diesen Blättern zog die Reihe jener grossen jüdischen Führer vorüber, deren Charaktergrösse und selbstloses Wirken es vollbringen konnte, ihren Stamm aus den Niederungen des Ghettos emporzuheben, zur Oberwelt der Freiheit und Gleich ach tu ng. Aber nicht die Wirksamkeit dieser providentionellen Männer allein war es, die uns geführt haben „von Finsternis zu Lichte, von Knechtschaft zur Freiheit55, sondern ein ganzes Ensemble von Führern in allen kleineren Gemeinden, die von dem Geiste jener Aera, dem Geiste der Verantwortlichkeit, des Altruismus und der selbstlosen Liebe zu ihrem Glauben geleitet, in ihrem kleinen Kreise für die Ehre und Wohlfahrt ihres Stammes gewirkt haben. In der nächsten Nähe Pressburgs liegt die kleine Gemeinde Sv. Jur (Skt. Georgen, Szt. Györgv, jüdisch Jergen), die kleine Gemeinde, die von grossen Rabbinern geleitet gewesen ist. In den Zeiten des Rabbi Mharam Schick (den die Bauern baten, durch ihre Felder zu spazieren, damit der Segen Gottes auf ihnen ruhe) iebt dort die Familie Oehler. Sie hat ihre Familienlegenden. Sie zählt zu jenen Familien, die von Mähren nach Ungarn emigrieren mussten, Eine Hermann- und Dorothea-Idylle knüpft sich an diesen Wanderzug. Ein Christ wird durch Bande der Liebe Mitglied der Familie und spricht mit Ruth: Wohin Du gehst, gehe ich. dein Volk ist mein Volk! Einer der Ahnen ist Begründer der Svnagoge in Küchel, eine Famihentiadition, welche die Nachfahren fester znsam menhält. Elija Oehler ist ein einfacher biederer Kleinkaufmann in jergen. Er muss aber patriarchalisch, wie der erste Träger des Namens ausgesehen haben, denn der dort stationierte Prinz Croy halt das Bild des lockenumwallten Patriarchenkopfes mit seinem Pinsel auf der Leinwand fest. In allen Erzählungen älterer, wenn auch bescheidener Familien, taucht ein Prinz oder das Königshaus selbst auf Das Band zvvischen dein Prinzen und dem Hause Oehler wird fester, als der Sohn Elias, der Arzt des Fürsten Palffy in Malacz.ka, den Prinzen von schwerer Krankheit rettet. Als Oehler ein schweres Augenleiden bekommt, lässt ihn Graf Palffy in seinem Wiener Palais operieren. Nach dem Tode Oehlers übernimmt dessen Sohn, Fleinrich Leopold, das Geschäft, das er zu hoher Blüte bringt. Er geniesst unbegrenztes Vertrauen bei ausländischen Holzfirmen.. er schafft den Wein- und Obstexport seines Ortes, regt eine Holzindustrie an. Aber was er schafft, ist nicht von Eigennutz, sondern von Gemeinnutz beseelt. Er will gleichzeitig dem Wohle seiner Stadt und der Ehre seines Glaubens dienen. Sein Haus ist das Heim der Obdachlosen und der verwaisten Kinder. Seine wirtschaftlichen Anregungen werden im Parlamente lobend erwähnt. Bei aller Anerkennung erstrebt er keine äußerliche Auszeichnung. Er wird Lieferant des Hofes, aber kein Hoflieferant. Er hat für die Tafel der Königin Elisabeth Trauben geliefert und soll sie gar persönlich überreicht haben Er ist viele Jahre hindurch Präsident der dortigen Gemeinde, deren Standard er durch bedeutende Geldcpfer erhält. Die Welle des Umsturzes trägt auch ihn nach Bratislava. Seine Eachkcnntnis. grosse Konzeption und sein ehrlicher Wille, der Öffentlichkeit zu dienen, verschaffen ihm auch im neuen Kreise Ansehen. Er stirbt im Jahre 1929 im Alter von 80 Jahren, bis zum letzten Momente rüstig und tätig. Eine glückliche Ehe fällt wie ein Strahl der Abendsonne auf die letzten'Jahre seines Lebens. Diese Achtziger haben die ganze Skala des jüdischen Schicksals vorn Ghetto bis zur Nachkrieg-zeit durchlebt und /erstanden. 80