Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 9-10 (Juni 1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 14 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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kenlinie ist. Es dürfte vielleicht zu wenig bekannt sein, daß zu den bahnbrechendsten Komponisten dieser Entwicklung zwei jüdische Musiker gehören. Es sind Heinrich Isaak und Salamore Rossi. Isaak, um 1450 geboren, 1517 in Florenz gestorben, ist einer der ersten Komponisten, der die bis dahin fast unbekannte „Ausübung“ der Musik zur Tatsache machte. Er verstand es, die niederdeutsche und italienische Musikauffassung zueinander zu bringen und aus ihr eine ganz neue Liedform zu schaffen, die besonders auf das altdeutsche Lied großen Einfluß gewann. Wenn man bedenkt, daß die damalige Musik größtenteils nicht über die allgemein gebräuchliche Musiklehre des gregorianischen Chorals herausgekommen war, so kann man sich ein Bild davon machen, welchen Einfluß dieser Eingriff Isaaks in die damalige Musikauffassung ausübte. Der gregorianische Choral wird aus der alten jüdischen Tempelmusik abgeleitet, er verzichtet auf Harmonik und ist auf dem cantus firmus (Grundmelodie) aufgebaut. Hier schloß Isaak an und baute auf dieser Grundmelociie seine Musik auf. Seine Kompositionen sind nicht allein geistlicher Art. Wir kennen heute noch 42 weltliche Gesänge von ihm, ferner Choräle, Motetten und nicht weniger als 58 Instrumentalsätze (vergleiche Kroyer: ,,Kirchenmusikalisches Jahrbuch“, Jahrgang 21, 1908). Es ist bezeichnend, daß die damalige, hochgebildete Zeitepoche einen Mann wie Isaak trotz seines Judentums zu höchster Ehre auf steigen ließ. So war Isaak von 1480—92 Musikdirektor in Florenz, später Hofkomponist Kaiser Maximilians E, und ein stets gern gesehener Gast an den norditalienischen Höfen. Die Tradition Heinrich Isaaks hat sein weit bekannterer, ebenfalls in Italien lebender Nachfolger auf dem Gebiete der Entwicklung der vorklassischen Musik, fortgesetzt. Es ist Salomone Rossi. Er nannte sich als stolzer und aufrechter Jude stets „Ebreo“ und ist auch unter diesen Namen in die Musikgeschichte eingegangen. Rossi ist tatsächlich für die Entwicklung der Instrumentalmusik verantwortlich zu nennen. Die bis zu seiner Zeit gebräuchliche und fast ausschließlich bekannte Musikart, war die sogenannte Monodie. Monodie ist ein einstimmiger, mit der Laute begleiteter Sologesang. Sie fand fast ausschließlich in der Kirchenmusik Verwendung, während die weltliche Musik eine von Niederländern und Deutschen eingeführte polyphonische Grundlage hatte (Polyphonie: Ensemble — mehrstimmiger Gesang indem „die übrigen Stimmen rauf und runter gehen“). Salomone Rossis Verdienst war es, diesen einstimmigen melodischen Stil als erster Komponist auf die Instrumentalmusik übertragen zu haben. Bereits 1607 erschienen in Venedig einige Symphonien für 2 Violinen uind Generalbaß. In diesen und spateren Werken entwickelt Rossi eine fehle Melodik und großes technisches Können. Seine Arbeiten zeugen von echter Musikalität und weichen vom Stile der damaligen 14